Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Jahreskalender
1/2.2011




Mai-Thu Perret

Jahreskalender

  


Kreise und Rechtecke: Elementarer könnte die Formensprache der beiden Bildtafeln auf dem beiliegenden Jahreskalender nicht sein. Beigesteuert hat sie die Genfer Künstlerin Mai-Thu Perret (*1976). Sie wurde bekannt durch ihre Objekte und Inszenierungen, welche auf utopische Gesellschaftsentwürfe und ein breites Feld von kultur- und kunsthistorischen Bezügen anspielt. Ihre bühnenhaften Bauten und abstrahierten Frauenfiguren lassen avantgardistische russische Theateraufführungen oder Formensprachen aus der Bauhauszeit anklingen. In eigenwilligen Texten, Keramikarbeiten, Designobjekten oder raumgreifenden Installationen entwickelt sie seit Jahren ein dichtes Geflecht von Erzählungen und Motiven, die unterschiedliche Facetten weiblicher Lebensgemeinschaften imaginieren und visualisieren.
Die auf dem Kalender abgebildeten Gemälde gehören zu einer Serie, eines der beiden Werke wurde 2010 in der Galerie Francesca Pia in Zürich gezeigt. Dazu erschien damals ein Gesprächsauszug mit Fabrice Stroun, in welchem Perret ihr Vorgehen wie folgt beschreibt:
«Mir gefällt die formale Einfachheit von Gegenüberstellungen wie jene von Text und Bild oder glatten und rauen Flächen. Vielleicht geht es in dieser Ausstellung - gerade weil ich sonst nicht viele Werke mache, die man an die Wand hängen kann - um Zweidimensionalität. Die Auseinandersetzung mit der Fläche führt zurück zur Frage nach der Sprache. Die Gemälde gleichen Symbolen, die etwas bezeichnen, dessen Gegenstand verloren gegangen ist, oder anders formuliert, wofür es keinen Signifikanten gibt, wir aber trotzdem nach einem solchen suchen. Ähnlich geht es auch bei den Textarbeiten um Fragmente von Geschichten, um Botschaften einer teilweise imaginierten Welt. Ich kombiniere Gemälde und Texte, da sie beide auf unterschiedliche Weise Bedeutung herstellen. (...) Ich beziehe mich für meine Arbeit auf unterschiedlichste Quellen. Ich glaube, ich interessiere mich mehr für die Abfolge von Bildern als für das isolierte Bild, auch wenn ich mich während des Entstehungsprozesses natürlich auf das einzelne Bild konzentriere. Die Bilder und Symbole, die formale Sprache als Material meiner Werke finde ich überall, und mir scheint, dass sich aus fast allem eine Abstraktion formulieren lässt. Natürlich gibt es bestimmte Referenzfelder, zu denen ich immer wieder zurückkehre. Die Tantrische Malerei und der Konstruktivismus haben beide eine extrem reduzierte Sprache und gehören zu den elementarsten Formen der Abstraktion. Ich habe mich schon immer für die historischen Grundlagen und Wurzeln von Formensprachen interessiert.»
Nach Auftritten beispielsweise im Rahmen von "Utopics", Biel, 2009, oder einer grossen Einzelausstellung im Haus der Kunst, München, 2010, folgt nun im Aargauer Kunsthaus in diesem Sommer die bisher umfangreichste Einzelausstellung in der Schweiz. Damit bietet sich endlich die Gelegenheit, einen differenzierten Einblick in Perrets vielfältiges kaleidoskopisches Werk zu erhalten.
Darüber hinaus hoffen wir, dass Sie den Kalender munter nutzen und damit ein anregendes Kunstjahr planen. Vielleicht liegt ja ein Besuch an der von Bice Curiger kuratierten Biennale Venedig drin. Wir wünschen Ihnen damit jedenfalls ein inspirierendes Jahr.



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2011
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Künstler/in Mai-Thu Perret
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1102181046340A4-0
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.