Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Fokus
3.2011


 Bei Festivals treten normalerweise die Profis auf. Sie präsentieren ihr Können und das Publikum schaut zu und langweilt sich oder geht begeistert mit. Das Blickfelder-Festival hat ein neues Konzept entwickelt, bei dem vor allem auch die Laien zum Zuge kommen.


Blickfelder - Vorspiel in Ebertswil, Hauptakt in Zürich


von: Brita Polzer

  
Annatina Caprez und Hanswalter Graf · Kobold, Hans, Ballerina, 2011, Stills aus ‹Blickfelder Ebertswil› und ‹Making of›


Ein Schulhaus wie aus einem Märchenbuch: Grosse Fenster geben rundum den Blick auf weiss bestäubte Wiesen und ein entferntes Gehöft frei und leise rieselt Schnee vom Himmel. Für einmal fällt der reguläre Unterricht aus, stattdessen ist ein Gastdozent angereist. Hans Walter Graf aus Thun, Spezialist für externe Kollaborationen, wurde vom Zürcher Blickfelder Festival angefragt, die Schule von Ebertswil in die Produktion der Grossstadt zu integrieren. Nun finden im 667 Einwohner grossen und rund dreissig Kilometer von Zürich entfernten Dorf die Proben statt.
Mit mitgebrachten Schuhen führen knapp zwanzig Schüler und Schülerinnen wilde kleine Szenen auf. Die Filmerin Annatina Caprez hat ihre Kamera fixiert und versucht, das Durcheinander auf Kniehöhe ins Bild zu bringen. Hans Walter Graf ist ein wenig irritiert und erinnert, dass drei einfache Worte im Zentrum stehen: Kobold, Hans, Ballerina - für diese drei Figuren sollen kurze szenische Auftritte inszeniert werden. Die mitgebrachten Schuhe - verspielt, klobig oder fein - verkörpern schon den Charakter, jetzt gilt es nur noch, eine spezifische Bewegung dazu zu machen. Graf fordert die Kinder auf, hüpfend, stampfend oder tänzelnd die Figuren vorzustellen. Drei Kinder werden benannt, die nun in die jeweiligen Rollen schlüpfen und schon ist genügend Material für eine kleine filmische Episode vorhanden.
‹Kobold, Hans, Ballerina› ist einer der sechs Titel, die Graf von Blickfelder zugewiesen erhielt und frei füllen konnte. Die Themen, so etwa auch ‹Die Stadt im Ohr› oder ‹Wald und Wiesen›, werden in Zürich in der «Originalversion» gezeigt und erhielten in der dörflichen Aussenstation nun ein unabhängiges Pendant. Das Thema von Kobold, Hans und Ballerina beispielsweise wurde vom Mal-Theater der Thalias Kompagnons aus Nürnberg übernommen. Ihre Inszenierung, die sich an Andersens ‹Der standhafte Zinnsoldat› orientiert, wird im Puppentheater Stadelhofen gezeigt, wo die Ebertswilschen Kinder sie mit ihrer eigenen Produktion vergleichen können. Die Dorf-Filme wiederum werden in Ebertswil, aber auch während der gesamten Dauer des Festivals in der Zürcher Gessnerallee gezeigt.
Blickfelder ist vor allem für ein junges Publikum gedacht. Theater, Tanz, Musik, Literatur, Film und Kunst sind integriert und diverse Kulturinstitutionen Zürichs machen mit und nehmen die ‹Wilden Blüten›, Projekte in Zusammenarbeit von Künstler/innen mit Kindern, und die ‹Zugvögel›, Profi-Projekte, auf.

Bis: 27.03.2011


Blickfelder Zürich, 14.-27.3., Blickfelder Ebertswil, 8.3,, 17-19 Uhr



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 3  2011
Autor/in Brita Polzer
Link http://www.blickfelder.ch
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=1102181122010GU-3
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.