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Besprechung
3.2011


Ursula Badrutt Schoch :  Die Ankunft ist geglückt. Haegue Yang (*1971) hat ihre bisher grösste Einzelausstellung im Kunsthaus Bregenz eingerichtet. ‹Arrivals›, so der Titel, fasst frühere Stationen zusammen, lockt mit ‹Citadella› ins Jalousienlabyrinth und inszeniert im obersten Geschoss ein Gipfeltreffen mit Lichtskulpturen.


Bregenz : Haegue Yang, ‹Arrivals›


  
Haegue Yang · Citadella, 2011, Ausstellungsansicht Kunsthaus Bregenz. Foto: Markus Tretter


Oben in einer Ecke der trapezförmigen Holzeinbauten, die den Raum für die retrospektiv ausgerichtete Inszenierung ‹Intro-Wheel› in kleinere Kompartimente unterteilt, schlingern bunte Lichtfarben. ‹Berlin Bregenz› projiziert mit dem Daten-Übersetzungsgerät ‹Aphrodite› Wettermessdaten aus Berlin direkt ins Kunsthaus Bregenz. Darunter lagert stoisch ‹Storage Piece› von 2004, als Pakete geschnürte ältere Arbeiten auf Europaletten; Haegue Yang markiert den Fluss von Senden, Übermitteln und Empfang auf unterschiedliche, konzeptuell verortete Weise. Diese Konstante in ihrem Werk verführt zu einer Lesart, die Kunst als Vermittlerin zwischen unterschiedlichen Orten und Kulturen versteht. Doch Yang wehrt ab. «Eher vermittle ich die Tatsache der Unmöglichkeit solcher Vermittlungen. Mich interessieren die Verschiebungen und Brüche, die sich ergeben», sagt die in Südkorea aufgewachsene und heute in Berlin und Seoul lebende Künstlerin. Dass die Arbeiten von Yang sowohl in Korea wie in New York, in Venedig wie in Rapperswil Anklang und intuitives Verstehen finden, zeugt von ihren kosmopolitischen Dimensionen.
Ihr sorgsamer Umgang mit dem Raum ebenso wie mit dem Wort bietet in der ausufernden Jalousieninstallation im zweiten Obergeschoss ein sinnliches Kommunikationserlebnis. Die teils bis an die Decke hochgezogenen halbtransparenten Raumteiler halten Blicke zwar weitgehend ab, aber die Lichtchoreografie und die aus Geruchsmaschinen abgegebenen Düfte lassen eintauchen und umherstreifen, Eindrücke sammeln, entdecken, vergleichen. Dass ‹Citadella› sowohl Festung als auch Stadt bedeutet, passt zur mehrpoligen Gesamtwirkung zwischen Verschliessen und Öffnen, Vertrautheit und Fremdsein, Freiheit und Gefangensein. Genau dieses Verhandeln zwischen Behauptungen und ihrer Umkehrung, das Relativieren und neu Sehen machen das Schaffen von Yang zu Erfahrungsangeboten, die Alltägliches wie Sprachbarrieren in körperlich erlebbare Poesie verwandeln. 33 neue Lichtskulpturen krönen die Ausstellung im obersten Geschoss. Individuell ausformuliert und zu Gruppen typähnlicher Gestalten zusammengeschlossen - es gibt Medizinmänner, Ureinwohnerinnen, Paare, Totem-Roboter - liest sich die Installation wie ein humorvoll unterlaufener Kommentar zu ethnologischen Feldforschungen. Dreimal täglich ertönt Igor Strawinskys ‹Le Sacre du Printemps› und die üppig verspielt und fantastisch behängten Infusionsständer verwandeln sich in potenzielle Balletttänzerinnen und -tänzer. Die zuvor gemachten Kategorisierungen sind im Eimer.

Bis: 03.04.2011



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Ausgabe 3  2011
Ausstellungen Haegue Yang [22.01.11-03.04.11]
Institutionen Kunsthaus Bregenz [Bregenz/Österreich]
Autor/in Ursula Badrutt Schoch
Künstler/in Haegue Yang
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