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Besprechung
3.2011


Niklaus Oberholzer :  Der Maler Albrecht Schnider ist auch Zeichner und Bildhauer. Die Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn mit Arbeiten auf Papier aus rund 25 Jahren und Kleinplastiken zeigt, dass es sich dabei nicht um die Malerei begleitende Nebensachen handelt, sondern um Eigenständiges.


Solothurn : Albrecht Schnider


  
Albrecht Schnider · Ohne Titel, 2005, Filzstift auf Papier, 21 x 14,8 cm, Kunstmuseum Solothurn, Ankauf der Freunde des Kunstmuseums Solothurn


In der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn finden sich einige Malereien von Albrecht Schnider (*1958). Sie sind nun im Dialog mit bedeutenden Sammlungsbeständen, die Albrecht Schnider ausgewählt und gemeinsam mit Museumsdirektor Christoph Vögele präsentiert hat, im Museum zu sehen - als Begleitung der Ausstellung, welche die Besuchenden erstmals in dieser Ausführlichkeit auf das zeichnerische Schaffen des in Berlin lebenden Schweizers und auf seine Auseinandersetzung mit Skulptur blicken lässt. Dabei zeigt sich: Die Medien gestatten ganz verschiedene künstlerische Lösungen, die überdies auch neue Freiheiten eröffnen. Aber die zentralen Anliegen hart an den Grenzen zwischen Abstraktion und benennbarer Dinglichkeit, zwischen Ratio und Gefühl, Planung und Intuition bleiben sich gleich.
Die höchst präzisen Zeichnungen - Pinsel mit Acryl- oder Ölfarbe, Filzstift, Bleistift, Acryllackspray - handeln von Linien und Zwischenräumen, von Leerstellen und Flächen, von Vorne und Hinten. Sie handeln von inhaltlichen Stossrichtungen, die gleich wieder ins Ungegenständliche zurückfallen: Ein Kopf zum Beispiel wird zum Leerraum. Das Auge stellt hier Vegetatives fest und dort rationale Konstruktion, hier konzise, die Papierfläche in klaren Proportionen aufteilende Linien und dort schwungvoll sich übers ganze Blatt ergiessende Arabesken. Das alles sind Elemente, die auch Schniders Malereien bestimmen, doch die Zeichnungen sind - abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen - weder Vorstufen noch Studien, sondern eigenständige Schöpfungen oder Weiterführungen einmal gewachsener Gedanken in ein anderes Medium. In den oft sehr rasch entstehenden Blättern erreichen diese Gedanken eine glückliche Gelöstheit, die in der Malerei kaum zu erlangen ist.
Ähnliches gilt für manche der kleinen Skulpturen, die Schnider aus alltäglichem Ateliermaterial, aus Drähten und Pinseln in spielerischem Experimentieren herstellt. Was dort in der Zweidimensionalität des Blattes entsteht, greift hier frei und unbeschwert in den Raum aus - zufällig vielleicht und doch einer inneren Notwendigkeit gehorchend. Hin und wieder blitzen Humor oder gar die leise (Selbst-)Ironie des Entlebuchers Albrecht Schnider auf - etwa wenn er einen umgestülpten weissen Farb­eimer mit einem Porzellandeckel bekrönt und darauf, als ging es um eine Apotheose des Lächelns, ein winziges Kaugummi-Figürchen setzt.

Bis: 10.04.2011


Katalog mit Texten von Christoph Vögele, Roman Kurzmeyer und Katja Blomberg



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Ausgabe 3  2011
Ausstellungen Albrecht Schnider [15.01.11-10.04.11]
Institutionen Kunstmuseum Solothurn [Solothurn/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Albrecht Schnider
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