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Besprechung
3.2011


Konrad Tobler :  Wenn es ein einziges Afrika gäbe, dann wäre es ohnehin falsch, Afrika auf irgendetwas «Afrikanisches» zu reduzieren. Das zeigt die Kunsthalle Bern mit der konzeptionellen Ausstellung ‹The Idea of Africa II›. Eindrücklich ist vor allem wohlinszenierten Präsentation von Moshekwa Langa.


Bern : Moshekwa Langa, ‹In an other time›


  
Moshekwa Langa · Kwakhala Nyoniwi (A Certain Bird Cried, 1999-2010, verschiedene Materialien auf Papier, 100 x 140 cm


Ein anderes Afrikabild zu vermitteln, das ist für Philippe Pirotte, Direktor der Kunsthalle Bern, seit Langem ein zentrales Anliegen. Das heisst, er will Klischees unterlaufen, die gerade auch durch die Art, wie Gegenwartskunst bei uns vermittelt wird, zementiert und transportiert werden können. Das gelingt ihm mit der Ausstellung des südafrikanischen Künstlers Moshekwa Langa (*1975) auf präzise Weise - weil es sich hier um eine Art Erzählung handelt, die einerseits autobiografisch, andererseits sehr existenziell ist. Langa, der lange in Amsterdam gelebt hatte, kehrte in sein Homeland zurück, wo er aufgewachsen war, abseits der Kunstszene. Mit Freunden unternahm er eine Autofahrt. Ein Crash, die Freunde starben - ihnen sind als Erinnerungsbilder das Ausstellungsplakat und einige Fotografien von Fussballszenen gewidmet. Langa selbst wurde schwer verletzt. Als er einigermassen genesen war, nahm er Zeichnungen hervor, die er Jahre zuvor gemacht und im Elternhaus gelassen hatte.
Diese überarbeitete er - Überarbeiten als Verarbeiten. Zu sehen sind diese Blätter im grossen Raum der Kunsthalle, gewissermassen als zentrale Aussage. Es sind im reinen Wortsinn Palimpseste, Schichtungen. Mit Wein, Kaffee, Tee und Salzen bearbeitete Langa die Blätter, um das Einst mit dem Jetzt zu verbinden. «I am living you now» steht auf einem zu lesen. Von einer unheimlichen Schönheit sind in dieser Serie die ‹Car-Crash-Paintings›, offensichtlich vielschichtig, fast monochrom, zerknittert, gebrochen wie eine Carrosserie nach einem Unfall.
Ergänzt wird diese Werkgruppe durch Videos, in denen sich der Künstler in seiner Heimat verortet: Eine Frau rennt aus dem Dorf, sei es, weil sie zur Arbeit auf den Bus muss, sei es, weil sie es nicht mehr aushält. Im Video ‹Where do I begin› sind nur Füsse zu sehen - Menschen verschiedenster Art sind zu erkennen, die offensichtlich in einen Bus steigen. Auch sie gehen weg. Metaphorische Landkarten, Mindmaps eigentlich, symbolisieren ebenfalls den Versuch eines Menschen, sich zu verorten, eines Künstlers, der sich in einem globalen Umfeld in ähnlichen Unsicherheiten bewegt wie im Homeland. Auf den Topos der Landkarte sei er übrigens gekommen, sagt Langa, weil er in der Schule bemerkt habe, dass auf den offiziellen Apartheidskarten die Homelands Niemandsland waren, weisse Flächen. Die Ausstellung ‹In an other time› gibt dem Niemandsland ein Gesicht. Aber es ist eine gebrochene Heimat.

Bis: 27.03.2011



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Ausgabe 3  2011
Ausstellungen Cheikh Anta Diop, Moshekwa Langa [05.02.11-27.03.11]
Institutionen Kunsthalle Bern [Bern/Schweiz]
Autor/in Konrad Tobler
Künstler/in Moshekwa Langa
Künstler/in Cheikh Anta Diop
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