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3.2011




Porrentruy : Regula Abraham und Marlies Pekarek


von: Corinne Schatz

  
links: Marlies Pekarek · Gilles, Foliencollage, 230 x 135 cm ©ProLitteris
rechts: Regula Abraham · Ausgrabungsstätte, Buchverschnitt, Ausstellungsansicht les halles


Marlies Pekarek arbeitet an den Berührungsflächen zwischen Kult, Kunst und Alltag, zwischen künstlerischer, handwerklicher und industrieller Produktion sowie an Fragen der Rezeption. In den Werken aus dem grossen Werkzyklus ‹Madonnas, Queens and Other Heroes›, zu dem kürzlich im Niggli Verlag eine schöne Publikation erschienen ist, liegt der Schwerpunkt auf Bildnissen, die nach Madonnenfiguren und Porträts von Königinnen und anderen Berühmtheiten entstanden sind. In den neuesten Arbeiten wendet sie sich dem Verhältnis des Menschen zum Tier, in diesem Fall dem Menschenaffen, zu und legt die befremdende Mischung aus Vermenschlichung einerseits und dem Willen nach Bändigung des Wilden andererseits offen. Besonders prägnant beispielsweise in einer bearbeiteten Illustration aus der ‹Histoire de Gil Blas de Santillane›, 1735, worin ein eleganter Herr und sein verletztes Äffchen in der Körpersprache eines Liebespaares sich einander zuwenden. Eine wichtige Rolle spielt die technische Umsetzung, ob nun Wasserfarbe auf hautfarbenem Wachspapier sich der Textur der kostbaren Gewänder annähert oder schwarz-weiss bedruckte Foliencollagen die Figuren gespenstisch verfremden.
Die Verwandlung eines wertlosen, alltäglichen Materials in etwas Kostbares ist einer von vielen Aspekten, welche die beiden Künstlerinnen verbinden. Beispielhaft kann die Arbeit ‹sans fils› von Regula Abraham genannt werden: 150 aufeinander gestapelte, feine Papierservietten bearbeitet sie mit einer Sticknadel, jedoch ohne Faden, die dadurch zusammengepresst und versteift werden. Die Motive und Texte greifen Themen, Bilder und Wortspiele auf - wie die Rosa Centifolia, die «Maler-Rose» in vielen barocken Stillleben. Die Flüchtigkeit und Zartheit des Materials wird verflochten mit visuellen wie existenziellen Anspielungen. Literarische Texte und Wortsammlungen, ein zentrales Element ihrer Arbeit, transformiert Abraham in ihren Gipsarbeiten zu versteinerten, der Flüchtigkeit trotzenden Schrifttafeln. Fragen nach Identität, Geschichte, Erinnerung und Vergessen stellt sie in der Arbeit ‹Ausgrabungsstätte›, wo sie in einem Künstlerlexikon alle Informationen herausgeschnitten hat, sodass nur noch die Namen und Leerstellen übrig bleiben.
In diesen Bezügen auf Geschichte, Riten und Erinnerung und in der Bedeutung der Materialisierungen begegnen sich die Werke der beiden Künstlerinnen und eröffnen einen inhaltlichen und visuellen Dialog.

Bis: 20.03.2011



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Ausgabe 3  2011
Ausstellungen Regula Abraham, Marlies Pekarek [06.02.11-20.03.11]
Institutionen Espace d'art contemporain (les halles) [Porrentruy/Schweiz]
Autor/in Corinne Schatz
Künstler/in Regula Abraham
Künstler/in Marlies Pekarek
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