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Besprechung
4.2011


 Herzstück von Katja Schenkers Ausstellung im Kunstverein Konstanz ist eine situationsspezifische Arbeit, deren räumlich-materiale Präsenz das Publikum in Bann zieht und die zugleich Einblick in die Arbeitsweise der Künstlerin an der Schnittstelle von Performance und Installation bietet.


Konstanz : Katja Schenker, ‹moll›


  
Katja Schenker · moll, 2011, Kunstverein Konstanz. Foto: Stefan Rohner


Verführerisch und kompromisslos zugleich ruht das opulente Gebilde im Oberlichtsaal, bläulich schimmert die 1'000 Quadratmeter grosse Papierfläche, deren Knicke und Falten, Hohlräume und Auftürmungen an Gletscherformationen oder arktische Eiswüsten erinnern. Trotz dieser Assoziationen ist es ein unsicheres Terrain, das Schenker in ihrer Live-Performance am Eröffnungsabend aus der zu einem Kubus zusammengepressten, verletzlichen Papierhaut geschaffen hat - eine fragile Struktur, in der die Spuren des performativen Geschehens gleichsam inkorporiert und temporär verfestigt sind. Je nach Lichteinfall und Standort scheint die materiale Beschaffenheit eine andere, wandelt sich im visuellen Begreifen von widerständiger Spröde zu leichter, fast schwebender Anschmiegsamkeit. Diese Ambivalenz, dieses teils Nicht-Fassbare, Changierende, nährt sich aus jener Reibungsenergie, die sowohl in der konzeptuellen Anlage als auch im unmittelbaren Herstellungsprozess begründet ist. So resultiert ‹moll› - wie letztlich alle Projekte der Künstlerin - aus der Wechselwirkung zwischen körperlicher Handlung, Material und Raum, aus der Interaktion von Geste, stofflichen Eigenschaften und raumzeitlichen Gegebenheiten, die zu einer installativen Setzung im Raum führt.
Wer bin ich - in der Beziehung zur Welt, zu meiner Umgebung, zu mir selbst? Mit diesen Fragen lässt sich das Feld umreissen, das Katja Schenker auslotet. Und dieses Spannungsverhältnis unterzieht sie verschiedenen Übersetzungs- und Transformationsvorgängen, aus denen sie wiederum eindringliche Momente und «bildmächtige» Zustände herausschält. In ‹Nougat›, dem schmalen Anschnittstück eines massiven Konglomerat-Blocks, artikuliert sich dies in der Auseinandersetzung mit geologischen Phänomenen: Die verschiedenen, dem Betonguss beigefügten Ingredienzien wie Kohle, Metall, Holz oder diverse Gesteinssorten erscheinen im Relief als Einsprengsel, die in der ausgehärteten Form zu schwimmen scheinen. Pressung und Verdichtung sind die prägenden Kräfte, die geologischen Prozessen gleich das Ausgangsmaterial in seine Gestalt zwingen. Gerade anhand der Werkauswahl, die auch einige Gouachen umfasst, wird augenfällig, mit welcher Präzision und Konsequenz Schenker die medialen und methodischen Möglichkeiten erkundet, mit denen sie (performative) Raumerfahrungen und energetische Konstellationen untersucht.

Bis: 03.04.2011


Finissage mit Werkgespräch, Buchpräsentation und Performance-Programm ‹Gilbert & George Tour Konstanz 2011› mit Janusz Baldyga, ‹Market Place› und Berclaz de Sierre, 3.4. ab 11 Uhr



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Ausgabe 4  2011
Ausstellungen Katja Schenker [12.02.11-03.04.11]
Institutionen Kunstverein Konstanz e.V. [Konstanz/Deutschland]
Künstler/in Katja Schenker
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