Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
4.2011


Dominique von Burg :  Die vom Kunsthaus Aarau angekaufte Installation ‹Wirtschaftslandschaft Davos› von Thomas Hirschhorn zeigt die Verwandlung des «Zauberbergs» zur Besatzungszone. Die Arbeit reflektiert den Widerstand gegen die Machenschaften der Global Players und ihr jährliches Stelldichein beim WEF.


Aarau : Thomas Hirschhorn, ‹Wirtschaftslandschaft Davos›


  
Thomas Hirschhorn · Wirtschaftslandschaft Davos, 2001, Ausstellungsansicht (Detail) Aargauer Kunsthaus, Aarau © Pro Litteris. Foto: René Rötheli


Unvergessen ist der in Hundemanier ein Konterfei des damaligen Schweizer Justizministers Christoph Blocher anpinkelnde Schauspieler im Rahmen von Hirschhorns Ausstellung ‹Swiss-Swiss Democracy› im Pariser Centre Culturel Suisse, 2004. Mittlerweile schaut sich Blocher wahrscheinlich Sendungen des Schweizer Fernsehens an und langweilt sich dabei. Hirschhorn (*1957) hingegen wurde von der eidgenössischen Kunstkommission des Bundesamtes für Kultur für die diesjährige Kunstbiennale Venedig nominiert und seine Installation ‹Wirtschaftslandschaft Davos› ist vom Aargauer Kunsthaus angekauft worden. Ironie der Geschichte oder ein Blickwechsel auf die vielfach beklagte Aussendarstellung der Schweiz?
Vor zehn Jahren baute Hirschhorn ‹Wirtschaftslandschaft Davos› anlässlich seiner Auszeichnung durch die Zürcher Kunstgesellschaft im Kunsthaus Zürich auf. Derweil eskalierten in Davos anlässlich des World Economic Forum (WEF) die Proteste gegen die Globalisierung und deren Protagonisten. Die nun im Kunsthaus Aarau präsentierte Installation ist ein überdimensionales, begehbares Panorama, in dem der Künstler die Verwandlung von Davos - wo er aufgewachsen ist - vom beliebten Bündner Kurort zu einer Hochsicherheitszone im Belagerungszustand darstellt. Hergestellt ist die Arbeit aus den für Hirschhorn typischen, billigen Materialien wie Karton, Klebeband, Haushaltsfolie, Zeitungsausschnitten, Fotokopien, Plastik, Neonröhren und PET-Flaschen. Zudem zeigen überbordende Informationsdisplays die historische und kulturelle Entwicklung von Davos. Integriert sind Werke der ehemals dort lebenden Künstler Ernst Ludwig Kirchner und Hermann Scherer. Die Installation wird von ambivalenten Elementen geprägt: In einer prächtigen Berglandschaft dreht sich ein rotes Modell der Rhätischen Bahn. Gleichzeitig wird das Tal von Helikoptern, Panzern und Spielzeugsoldaten in Kampfanzügen eingekesselt und ist mit Stacheldraht umzäunt. Hirschhorn zeigt hier, dass die Welt in den Tagen des WEF ein Gesicht bekommt. Dieses ist geprägt von Machtballung, unbegrenzter Kapitalakkumulation und den ausbeuterischen Strategien des Katastrophen-Kapitalismus. Als adäquates, symbolisch aufgeladenes Ausdrucksmittel dienen dem Künstler die billigen Verpackungsmaterialien der Konsumgüterindustrie. Ihre Ästhetik suggeriert, dass die Werke aus der Aktualität heraus geschaffen sind und darüber hinaus weisen - was hier grossartig gelungen ist.

Bis: 25.04.2011



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 4  2011
Ausstellungen Thomas Hirschhorn, Manon [29.01.11-25.04.11]
Video Video
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Thomas Hirschhorn
Künstler/in Manon
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=110325121452A7A-8
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.