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Besprechung
4.2011


Susanne Schmetkamp :  In ihren Arbeiten bringt die Künstlerin Beatriz Milhazes brasilianische Kultur, Kitsch und Konsumdenken zusammen. Mit ihren floralen Ornamenten knüpft sie ausserdem an Henri Matisse an. Die Fondation Beyeler zeigt eine Auswahl von Bildern und Collagen in einer ersten Schweizer Einzelausstellung.


Basel/Riehen : Beatriz Milhazes


  
Beatriz Milhazes · Spring Love, 2010, Acryl auf Leinwand, 300 x 450 cm. Foto: Goritzia Filmes


Wer das Souterrain der Fondation Beyeler betritt, dürfte sich derzeit entweder an den Karneval in Rio, ein indisches Begräbnisritual oder ein völlig überdrehtes Jugendzimmer erinnern: Eine knallig bunte Installation aus herabhängenden Girlanden mit künstlichen Blüten schreit einem entgegen, eine Mischung aus Pop, Kitsch und Esoterik. Beatriz Milhazes hat dieses überdimensionale Mobile als Bühnenbild für eine Tanzgruppe entworfen und dazu Deko-Materialien eingesetzt, wie sie tatsächlich für Paradewagen im Karnevalsumzug verwendet werden.
Die Kultur ihres Landes spielt auch in den anderen Arbeiten von Milhazes (*1960) eine grosse Rolle. In der Ausstellung sind neben der Installation vier monumentale Bilder, einige Collagen und eine grosse Bodenarbeit aus Keramikfliesen zu sehen. Dabei geht es vor allem farbig her: gold, pink, orange, lila, grün. Milhazes, die Brasilien 2003 auf der Venedig-Biennale vertrat, spielt mit dem Hippieesken ebenso wie mit Ikonen unserer (Werbe-)Welt, die mit der Flower-Power-Generation das Bunte und Psychedelisch-Hypnotisierende gemeinsam hat. Ein damit verbundener Sog wird besonders bei der eigens für die Ausstellung produzierten ‹Jahreszeiten›-Arbeit deutlich: Vier grossformatige Bilder zeigen kreisrunde und ovale Blumenarrangements und Love- und Peace-Symbole, die so aufgetragen und angeordnet sind, dass jedes Bild dreidimensionale Tiefe und kaleidoskopische Ästhetik erhält. In Farbenpracht und Motivik erinnern die Bilder an Arbeiten des japanischen Künstlers Takashi Murakami. Kunsthistorisch geprägt ist Milhazes' Kunst von den späten Arbeiten von Henri Matisse sowie vom brasilianischen Modernismo.
Milhazes knüpft maltechnisch an das Abklatschverfahren der Dekalkomanie an: Sie bemalt transparente Plastikfolien und klebt sie auf die Leinwand. Wenn sie die Folie abzieht, bleiben Farbreste zurück. Die Folien werden mehrmals verwendet, sodass die Spuren auch in anderen Werken auftauchen. Das soll für den Fluss der Zeit stehen, wie sie ein Palimpsest verkörpert. Man kann sich aber auch nicht des Eindrucks erwehren, dass die Abziehbildästhetik und die Motive etwas allzu schlicht Kindlich-Naives haben. Die Collagen verstärken das: Hier werden glitzernde Schokoladenpapiere mit Papierornamenten zusammengebracht. Einen eigenen Katalog oder einen Begleittext zur Ausstellung, der etwas mehr Einblick in Leben und Werk geben könnte, gibt es leider nicht.

Bis: 25.04.2011



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Ausgabe 4  2011
Ausstellungen Beatriz Milhazes [29.01.11-25.04.11]
Institutionen Fondation Beyeler [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Susanne Schmetkamp
Künstler/in Beatriz Milhazes
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