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4.2011




Basel : Arman


von: Yvonne Ziegler

  
links: Arman · Premier portrait-robot d'Yves Klein, 1960, Abfall in Plexiglaskasten © Pro Litteris. Foto: Georges Méguerditchian
rechts: Arman bei der Arbeit an Teotihuacan, 1963, Courtesy Roy Lichtenstein Foundation © Pro Litteris. Foto: Shunk-Kender


Arman schöpft aus dem Vollen. Egal ob industriell gefertigte Produkte, Verpackungsmaterialien, Musikinstrumente, Essensreste oder sonstiger Müll - der aus Nizza stammende Künstler (1928-2005) findet für alles eine Verwendung. Er setzt uns unverblümt in Vitrinen und Kunstharz mumifizierte Zivilisationserzeugnisse vor. Die im Museum Tinguely präsentierte Werkschau (eine Übernahme des Pariser Centre Pompidou) verdeutlicht die Stringenz seines Œuvres und zeigt dabei auch das informelle Frühwerk, das in der noch zu Lebzeiten Armans ausgerichteten Retrospektive von 1998 ausgelassen wurde. Die nicht streng chronologische Schau ist in sieben thematische Sektionen gegliedert, welche Armans durchgängige Anliegen, Ideen und Vorgehensweisen in unterschiedlichen Werkformen fassbar machen, jeweils unterstützt durch Wandtexte, Zitate und performative Filmdokumente, in denen man den Künstler bei der Arbeit sieht: beim Müllsammeln, Betonieren von Panzerteilen, Verbrennen von Geigen oder Zerschlagen einer Schlafzimmereinrichtung vor Publikum. Man begegnet nicht nur den typischen ‹Accumulations› - in eine Vitrine gestopfte Zahnprothesen, in einen Kasten genagelte Schreibmaschinen etc., sondern auch einem Rollbild, kleinformatigen Stempel- und Abdruckarbeiten, einem experimentellen Film und einer Skulptur aus fabrikneuen identischen Karosserieteilen Marke Renault. Dass Armans Position in Bezug zu wichtigen zeitgenössischen Strömungen wie Action Painting, Informel, Pop Art, Zero, Fluxus und Readymade steht, eröffnet sich beim Betrachten zusehends. Gerne hätte man in der Ausstellung (und vor allem im hervorragenden Katalog) Vergleichsarbeiten von Dieter Roth, Jasper Johns oder Peter Roehr gesehen, ausgelassen sind selbst Werke der Nouveaux Réalistes, jener Künstlergruppe, zu der Arman seit 1960 zählt. Man kann lediglich ihre ‹Déclaration constitutive› bestaunen. Neben der Kritik an der Produktions-, Konsum- und Wegwerfgesellschaft, in dessen Zuge uns der «Archäologe der Gegenwart» nicht selten Unappetitliches und Ekliges auftischt - Verwestes in ‹La Grande Bouffe›, 1973, oder Porträts in Form persönlicher Abfälle ‚ fallen drei künstlerische Merkmale ins Auge: die Spur, die Geste und das Objekt. Natürliche Spuren und Abdrücke bestimmten schon die frühen ‹Allures›. Cellos werden nicht etwa planlos, sondern mit kraftvollen, von Judo inspirierten Gesten zerstört. Und schliesslich die Omnipräsenz und Schlichtheit des Alltagsobjekts.

Bis: 15.05.2011



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Ausgabe 4  2011
Ausstellungen Arman [16.02.11-15.05.11]
Institutionen Museum Tinguely [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Arman
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