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4.2011




Bozen : Valie Export, ‹Zeit und Gegenzeit›


von: Karlheinz Pichler

  
links: Valie Export · Exhibition view, Museion 2011
rechts: Valie Export · Fragmente der Bilder einer Berührung, 1994/2010, Museion 2011 Beide Aufnahmen © ProLitteris. Courtesy Charim Galerie, Wien. Foto: Othmar Seehauser


Die aus sechs Monitoren bestehende und in Serie geschaltete Videoinstallation ‹Die Macht der Sprache› steht am Ausgangspunkt der Ausstellung der österreichischen Künstlerin Waltraud Höllinger, die sich seit 1967 Valie Export nennt. Auf den Bildschirmen sind sich öffnende und schliessende Stimmritzen zu sehen. Dazu ertönt der von einem Mann gesprochene und als Loop geschaltete Satz: «Die Macht der Sprache bemisst sich nach der Spur, die sie hinterlässt, noch lange nach dem Schweigen.» Die Rede von George W. Bush gegen den Terrorismus nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York gab den Impuls zu dieser Arbeit. Export geht darin dem Ursprung der Stimme sowie der Nachwirkung von Sprache nach. Die stark vergrössert ins Bild gesetzte Stimmritze sieht bei Mann und Frau anatomisch genau gleich aus. Verblüffend aber, dass sie optisch stark an eine Vagina erinnert. Neben der Sprachskepsis klingt hier eines jener hintergründigen feministischen Statements durch, für die Export seit den Sechzigerjahren bekannt ist.
Eigentlich handelt es sich bei der Schau in Bozen um eine Art «Best of» der beiden Ausstellungen, die das Museum Lentos in Linz und das Belvedere in Wien vergangenen Herbst anlässlich des 70. Geburtstages der Künstlerin gezeigt haben. Die Museionsdirektorin Letizia Ragaglia und Export haben nun eine neue Präsentation mit veränderter «Dramaturgie» und einem Schwerpunkt auf den Bereich Skulptur/Installation zusammengestellt. Zudem dominieren Arbeiten aus jüngerer Zeit. Etwa die aus 105 Sturmgewehren gebaute Skulptur ‹Kalashnikov›, 2007, zu der im Hintergrund schockierende Filmaufnahmen von Massenerschiessungen in China gezeigt werden. Oder die mit ohrenbetäubendem Lärm auf und ab fahrenden monumentalen Häkelnadeln aus Stahl der Arbeit ‹Nadel›, 1996/1997/2010.
Besonders beklemmend ‹Die un-endliche/-ähnliche Melodie der Stränge›, 1998: Die auf 48 Bildschirmen aufgezeichneten Nähköpfe von Nähmaschinen verwandeln das oberste Stockwerk des Museions symbolisch in eine Werkshalle. Die mit rhythmischem Lärm arbeitenden vergrösserten Nadelspitzen wirken in ihrer Monotonie aggressiv und bedrohlich. Aufgepflanzt vor einer riesigen Fensterfront, durch die das herrliche Dolomitenpanorama zu erkennen ist, erzeugt diese Anlage eine unter die Haut fahrende Stimmung der Absurdität.
Ältere Arbeiten wie etwa ‹Body Tabe›, 1970, oder ‹Genitalpanik›, 1969, schlagen Brücken zu weiteren Werkphasen der Künstlerin, deren Arbeiten über all die Jahre extrem gesellschaftskritisch, politisch und formal offen geblieben sind. Ende des Jahres setzt sich übrigens auch das Kunsthaus Bregenz mit Export auseinander, und zwar im Kontext ihres Archivs.

Bis: 01.05.2011



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Ausgabe 4  2011
Ausstellungen Valie Export [18.02.11-01.05.11]
Institutionen Museion [Bolzano/Italien]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in Karlheinz Pichler
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