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Hinweis
4.2011




Luzern : Anton Egloff, Storefront


von: Niklaus Oberholzer

  
Anton Egloff · Storefront, 2011, Verschiedene Materialien, Dimension variabel


Die Räume der Edizioni Periferia von Flurina und Gianni Paravicini in Luzern, die mit Publikationen das Schaffen vieler Schweizer Künstlerinnen und Künstler begleiten, sind zugleich eine Galerie - diesmal für Anton Egloff (*1933), der von 1964 bis 1990 und damit in einer Zeit des Sprengens überlieferter Kunstformen an der Luzerner Schule für Gestaltung unterrichtete und die Kunst in der Innerschweiz massgeblich mitgeprägt hat. Anton Egloff gibt anhand von 80 aus weiss bemaltem Sperrholz gefertigten querrechteckigen Kästen Einblick in rund 40 Jahre seines Schaffens. Teils bringt er die Kästen offen an einer Galeriewand an, teils legt er sie auf dem Boden aus, teils stapelt er sie auf kleinen Rollgestellen. Die Kästen, eine Art Privatarchiv des Künstlers, enthalten seit den beginnenden Siebzigerjahren und bis in die jüngste Zeit entstandene Kleinskulpturen, Zeichnungen, Projektskizzen, mit Aquarellfarbe bemalte Farbkörper oder auch Modelle ausgeführter grösserer Arbeiten. All das zusammen wird zur Retrospektive, mit welcher der Künstler vor sich selber und vor seinen Betrachterinnen und Betrachtern Rechenschaft ablegt über seine Auseinandersetzung mit dem, was ihm zu Grundfragen der Kunst und der Gesellschaft wurde.
Anton Egloff strebt in seiner Arbeit nicht das Endgültige und Unverrückbare an. Vielmehr will er durch zeichenhafte Formulierungen dem Denken und Fühlen neue Wege eröffnen. In allen 80 Kästen befinden sich mehrere Objekte oder Kleinskulpturen, und mindestens zweigeteilt sind auch seine Zeichnungen, womit der Künstler die Spannweite geistiger Räume ebenso andeutet, wie er in seinen Arbeiten mit den verschiedenen Sternzeichen des Nord- und des Südhimmels in Gedanken die Weite des Weltraums ausmisst. Diese Mehrteiligkeit verweist auf einen ausgeprägt dialogischen Charakter des über Jahrzehnte gewachsenen und kohärenten Werks.
Zur freien Atmosphäre der Installation mit dem Titel ‹Storefront› tragen die Materialien bei. Sie sind - auch im Sinne der in Luzern in den Siebzigerjahren besonders präsenten Arte povera - einfach und offen: Zeichnung auf Papier, Aquarell, Frottagen, Zinkblech, Holz, zu Würfeln gefügte Clichés. Für eine geradezu beschwingte Leichtigkeit sorgen die eleganten lichten Farben, die der Künstler sparsam, aber mit Nachdruck verwendet. Dem Schaffensüberblick von Anton Egloff haftet insofern Bescheidenheit an, als die gewählte völlig undogmatische Präsentationsform veränderbar bleibt, und als sich die einzelnen Kästen so, aber auch ganz anders kombinieren lassen. ‹Storefront› ist auf unaufdringliche Weise Anreiz zu mannigfachem geistigem und sinnlichem Spiel.

Bis: 16.04.2011



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Ausgabe 4  2011
Ausstellungen Anton Egloff [26.03.11-16.04.11]
Institutionen Galleria Periferia [Poschiavo/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Anton Egloff
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