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4.2011




Zürich : Gebaute Vision


von: Dominique von Burg

  
links: Julio Le Parc · Continuel Mobile, 1963, Nylon Draht, Paneele aus rostfreiem Stahl, 7m x 17m @ ProLitteris
rechts: Ubi Bava · Circulos Estáticos Dinâmicos, 1955, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm Courtesy Paulo Kuczynski und Cisneros Fontanals Art Foundation. Foto: Romulo Fialdini


Im Erdgeschoss werden wir vereinnahmt von Julio Le Parcs ‹Continuel Mobile› von 1963, einem riesigen beweglichen Wandbild aus unzähligen, sich spiegelnden und bewegenden Stahlplättchen. Aufgereiht an Nylonfäden, reflektieren sie ihre Umgebung tausendfach. Sie sind der sinnfällige Ausdruck einer lebendigen, dynamischen und unbegrenzten Kunst, nach welcher der fast vergessene Lichtkünstler als politisch Bewegter und anarchischer Geist schon früh strebte.
Diese unverwechselbare Poesie ist auch im eher Unscheinbaren auszumachen; in Fotografien von Spinnengebeweben, Mosaikkacheln, ineinandergeschachtelten Tontöpfen, kurvenartig disponierten Tischen, architektonischen Strukturen oder in Wellblechhütten in Caracas. Sie wirken wie die Elemente von Werken konkreter Kunst.
Dass sich der konkrete Formwille auch im Archaischen aufspüren lässt, zeigt sich in der Ölarbeit von Joaquin Torres-Garcia von 1930 mit ikonischen Häuschen, Kirchen, Schiffen und Alltagsgegenständen. Der uruguayische Künstler interessierte sich für prähistorische, primitive und präkolumbianische Kunst und entwickelte seinen konstruktivistischen Universalismus als Quintessenz einer lebenslangen Suche nach dem Metaphysischen. Auch die hochkarätigen Werke von Hélio Oiticica, Lygia Clark, Carmen Herrera, Jesus Rafael Soto und vielen anderen zeugen von eigenständigen Formen konstruktiv-konkreter Gestaltung, die von regionalen Einflüssen geprägt sind sind.
Rund 200 der zentralsten Arbeiten aus der in Miami beheimateten Sammlung lateinamerikanischer Kunst von Ella Fontanals-Cisneros, die international zu den bedeutendsten Sammlungen lateinamerikanischer Kunst gehört, sind in den Räumen des Hauses Konstruktiv vorgestellt. Sie zeichnen die wichtigsten lateinamerikanischen Entwicklungslinien im Bereich der abstrakt-konkreten Tendenzen nach, die sich seit Ende der Dreissigerjahre vor dem Hintergrund grossen wirtschaftlichen Wachstums und urbaner Modernisierung, insbesondere in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Venezuela entwickelten. Besonders Rio de Janeiro fand in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre mit einer bisher nie da gewesenen kulturellen Szene in der abstrakten konstruktivistischen Sprache einen adäquaten Ausdruck.

Bis: 01.05.2011



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Ausgabe 4  2011
Ausstellungen Gebaute Vision (Slg. E. Fontanals-C.) [24.02.11-01.05.11]
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
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