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Besprechung
5.2011


Lucia Angela Cavegn :  Vor Kurzem schloss in der Schirn Kunsthalle Frankfurt eine Ausstellung mit ähnlichem Titel: ‹Weltenwandler. Die Kunst der Outsider›. Kunst, die am Rande der Gesellschaft entsteht, scheint wieder «in» zu sein. Knapp ein Zehntel der umfassenden Sammlung Ammann ist jetzt im Kunstmuseum Thurgau zu sehen.


: ‹Weltensammler. Internationale Aussenseiterkunst der Gegenwart›


  
links: Michel Dave · À Bruxelles, 2002, Filzstift auf Papier, 33,8 x 44 cm
rechts: Jeroen Pomp · Der Sänger Frans Bauer, 2004, Buntstift auf Papier, 50 x 65 cm


Seit seiner Gründung Anfang der Achtzigerjahre gehört das Kunstmuseum Thurgau zu jenen Schweizer Museen, die sich die Vermittlung von Aussenseiterkunst explizit zur Aufgabe gemacht haben. Dies ist mit Grund dafür, dass sich Korine und Max E. Ammann dafür entschieden haben, in Ittingen erstmals Teile ihrer Sammlung öffentlich zu zeigen. Seit über 20 Jahren sammeln sie Werke von inzwischen ca. 500 Künstlerinnen und Künstlern, für die - je nach Ausformung ihres Schaffens und ihrer Herkunft - mannigfache Bezeichnungen in Umlauf sind: Naive Kunst, Volkskunst, Art Brut, Raw oder Visionary Art. Outsider- bzw. Aussenseiterkunst beschreibt das Phänomen aus gesellschaftlicher, aber auch mentaler Sicht. Die Abweichung vom Normalen äussert sich durch einen ausgeprägten Hang zum Fantastischen und Visionären.
Die von Markus Landert zusammengestellte, in sieben Themenfelder aufgefächerte Ausstellung umfasst rund 400 Werke von 120 bekannten und unbekannten Künst­lerpersönlichkeiten. Klassiker wie Aloïse (1886-1964), Louis Soutter (1871-1942), August Walla (1936-2001), Scottie Wilson (1891-1972) und Adolf Wölfli (1864-1930) sind zeitgenössischen Exponenten der Aussenseiterkunst gegenübergestellt, die das Sammlerpaar in Kreativzentren, aufgrund eines Tipps oder durch Zufall entdeckte. Als Präsident des Springreiter-Weltcup CSIO befand sich der heute 70-jährige Max E. Ammann oft auf Reisen, die er in Begleitung seiner Frau unternahm und dazu nutzte, Künstler zu besuchen und Werke vor Ort verhältnismässig günstig zu erwerben. Zum Preis eines Adolf Wölfli habe man 50 Werke eines anderen Künstlers erwerben können, schreibt der Sammler selbst im Vorwort des Kataloges und weist indirekt auf ein Problem der Aussenseiterkünstler: Ihnen fehlt oft der Zugang zum Kunstmarkt und das Bewusstsein für die eigene künstlerische Leistung.
Es gibt unzählige Entdeckungen in Ittingen zu machen. Ob Helmut (Nimczewski) (*1946) mit seinen Wimmelbildern, Jean Tourlonias (*1937) mit seinen Automobil-Porträts oder Kresimir Hlup (*1962) mit seinen bunten Andachtsbildern: Sie alle haben zu einer eindringlichen und eigenständigen Bildsprache gefunden. Und bei manchen Werken wie den Ornamenten von Charles (Cako) Boussion (*1925) oder den Tuschzeichnungen von Jean-Pierre Nadau (*1963) ertappt man sich dabei, einfach nur deren Schönheit zu bewundern.



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Ausgabe 5  2011
Autor/in Lucia Angela Cavegn
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