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5.2011




Fribourg : Edith Dekyndt


von: Alice Henkes

  
links: Edith Dekyndt · Atpapllee, 2011, Teilansicht, Ground Control, 2008, Propylänballon, Helium, ø 120 cm
rechts: Edith Dekyndt · Atpapllee, 2011, Installationsansicht, Plexiglas, Tisch, Apfel.


In schlichtem Holzrahmen steckt ein Stück Plexiglas, bräunlich verfärbt. Auffallend ist die Unauffälligkeit des Objekts, hängt der kleine Rahmen doch als Solitär im ersten Raum der Freiburger Einzelschau von Edith Dekyndt (*1960). Im Plexiglas befinden sich angeblich Nanopartikel eines Apfels und eines Tischs. Sehen oder nachprüfen kann dies der Betrachter nicht, er muss dem das Objekt ‹ATPAPLLEE›, 2011, erläuternden Saaltext vertrauen. Die belgische Künstlerin Edith Dekyndt arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und beruft sich dabei auf eine Tradition, die für sie mit dem Renaissance-Maler und Mathematiker Piero della Francesca beginnt. Wie dieser die Perspektivzeichnung mit mathematischen Mitteln verbesserte, sucht Edith Dekyndt in der Kunst einen neuen, unkonventionellen Zugang zu den Naturwissenschaften, denen sie mit Faszination und Skepsis begegnet.
Diese Haltung zeigt sich bereits im Titel der Schau, ‹Dieu rend visite à Newton›. Er spielt darauf an, dass die Naturwissenschaften jede Anschaulichkeit verloren und die für Laien schwer verständlichen Theorien den Charakter von Glaubensfragen angenommen haben. Dass Gott und Newton einander in Freiburg begegnen, verweist auf die kirchengeschichtliche Bedeutung der Stadt wie auch auf das hier ansässige Adolphe-Merkle-Institut für Nanotechnologie, mit dem Dekyndt kooperierte, um Nanopartikel von Tisch und Apfel zu isolieren und diesen Vorgang durch ein Transmissionselektronenmikroskop zu filmen. Wiederholt führt Dekyndt in der klar komponierten Schau Visualisierungen von Bereichen vor, die jenseits physischer Sichtbarkeit liegen.
Lichtpunkte rasen über die Videoprojektionen ‹Discreet Piece›, 1997, die wie Weltraumbilder im Zeitraffer wirken. Eine Versuchsanordnung im Nebenraum jedoch entzaubert die Gestirne zu trivialen Staubpartikeln, die vor einem Scheinwerferlicht umherwirbeln. Nicht immer sind Täuschungen amüsant. Nichtwissen hat auch bedenkliche Seiten. Darauf spielt das Text-Video ‹Record›, 2005, an, das eine Zufallsmischung wissenschaftlicher Fakten verschiedener Disziplinen auflistet und zeigt, wie gross das Spektrum naturwissenschaftlicher Theorien ist. Der Laie kennt allenfalls Nanopartikel dieses Wissens. Der Rest ist Glauben.

Bis: 08.05.2011



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Ausgabe 5  2011
Ausstellungen Edith Dekyndt [13.02.11-08.05.11]
Institutionen Fri Art Centre d'Art de Fribourg [Fribourg/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Edith Dekyndt
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