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Hinweis
5.2011




Köln : Noli me tangere!


von: Cynthia Krell

  
links: Jannis Kounellis · Tragedia civile, 1975, Blattvergoldete Wand, Garderobenständer, Hut, Mantel, Öllampe. Foto: Lothar Schnepf
rechts: Darío Villalba · La Espera, 1991, Schmerzensmann 2005, Ausstellungsansicht Kolumba Köln © ProLitteris


‹Berühre mich nicht/Halte mich fest› lautet der Titel der 4. Jahrespräsentation mit eigenen Werken aus der Sammlung des Kolumba. Gezeigt werden Exponate aus zwei Jahrtausenden, die dazu einladen sollen, «über die Sphäre und die zu bewahrende Unversehrtheit des Individuums» nachzudenken. Der Rundgang beginnt im Foyer mit einer zweiteiligen Malerei von Michael Toenges, die durch ihre materielle Körperlichkeit besticht. Im von Backsteinmauern umschlossenen Garten ruht auf einer Bank die Skulptur ‹Grosse Liegende›, 2000, von Hans Josephsohn, die scheinbar dem Grossstadtlärm trotzt. Bereits im Erdgeschoss zeigt sich deutlich, dass Peter Zumthors Architektur mit seiner reduzierten Materialität aus Backstein, Mörtel, Putz und Terrazzo die Kunstwerke gut hervortreten lässt. Ein Besuch der archäologischen Ausgrabungen im Erdgeschoss ist wegen der speziellen Raumerfahrung und der Lichtdramaturgie unbedingt zu empfehlen. In den sich anschlies­senden 16 Ausstellungsräumen wird das überzeugende Präsentations- und Sammlungskonzept des Museums deutlich. Es geht um das kontrastreiche Miteinander der Werke aus der umfangreichen Sammlung unabhängig von chronologischen, stilgeschichtlichen oder medialen Zusammenhängen. So zeigt Raum 16 eine Gegenüberstellung von Jannis Kounellis' Rauminstallation ‹Tragedia civile›, 1975, mit der Skulptur ‹Fishman›, 1969, von Paul Thek. Die Abwesenheit des Menschen in Kounellis' Installation, angedeutet durch einen hölzernen Garderobenständer mit Hut und Mantel vor einer goldenen Wand, bildet einen Kontrast zu der körperlichen Anwesenheit der rätselhaften Skulptur Theks, die einen nackten liegenden Mann in symbiotischer Zweisamkeit mit Fischen zeigt. Konfrontiert wird der Besucher mit seiner eigenen Lebendigkeit und Vergänglichkeit. Daran schliesst sich im Nordturm die Rauminstallation ‹Ohne Titel›, 1962-2010, von Krimhild Becker an. Ihre Installation ist eine Rekonstruktion ihres Ateliers, eine Art fürstliche Wunderkammer zum Thema Leben und Tod, kombiniert mit einem Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert. Diese beiden Räume sind nur ein Beispiel für die Genauigkeit des kuratorischen Konzepts und die Qualität der Sammlung (u.a. mit Werken von Bethan Huws, Herbert Falken, Leiko Ikemura, Jürgen Klauke, Richard Serra). Dem Besucher wird in der Ausstellung eine unmittelbare, emotionale Begegnung mit der Kunst und sich selbst ermöglicht.

Bis: 31.07.2011



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Ausgabe 5  2011
Institutionen Kolumba [Köln/Deutschland]
Autor/in Cynthia Krell
Künstler/in Michael Toenges
Künstler/in Hans Josephsohn
Künstler/in Jannis Kounellis
Künstler/in Paul Thek
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