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Hinweis
5.2011




Luzern : Drei Künstler blicken auf Max von Moos


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Max von Moos · Ohne Titel (Der Unwirsche), um 1946, Depositum der Bernhard Eglin-Stiftung. Peter Thali
rechts: Christian Kathriner · Zwilling, 2010/11, Eiche, gebeizt, Bronze


Das Kunstmuseum Luzern verfügt über rund hundert Werke von Max von Moos (1903-1979), der eine charismatische Lehrerpersönlichkeit an der damaligen Luzerner Kunstgewerbeschule und ein bedeutender Vertreter surrealistischer Kunst in der Schweiz war. Sammlungskonservator Christoph Lichtin zeigt zahlreiche Werke aus der Sammlung, ergänzt durch Leihgaben. Das führt zu einer kleinen, aber in Zeichnung und Malerei die Grundzüge des ausufernd grossen von Moos'schen Werkes gut repräsentierenden Übersicht, die neben den bekannten Figurationen auch Belege der kurzen Tachismus-Phase des Künstlers einbezieht. Es geht Lichtin aber nicht um ein Kapitel Kunstgeschichte, sondern um einen unverstellt frischen Blick auf dieses Werk, das in den Achtzigerjahren tiefen- und sexualpsychologisch interpretiert oder als moralische Botschaft apostrophiert wurde. So lud Lichtin drei Künstler aus der Innerschweiz ein, in neuen Arbeiten ihre Beziehung zu Werken von Max von Moos deutlich zu machen: Peter Roesch (*1950), der noch Kurse bei von Moos besuchte, Robert Estermann (*1970) und Christian Kathriner (*1974).
Lichtins Wahl überrascht. Peter Roesch sagt selber, die Welt von Max von Moos sei nicht seine Welt. Also eine Nicht-Beziehung? Möglich aber, dass sich ein Art Dialektik offenbart: Die sechs grossen, in spontanem Duktus bemalten Leinwände der Reihe ‹Anatomiestunde› zeigen, dass eine Unterrichtsstunde bei Max von Moos nicht zur Bevormundung, sondern zur Befreiung führte. Robert Estermanns mitunter hermetisches Schaffen meidet Gradlinigkeit und liebt in der oft minimalen Geste bei aller Präzision das Mehrdeutige. Das gilt auch, wenn er seine Stellung zu von Moos mit Schalk und augenzwinkernder Distanz bloss andeutet. Estermann bleibt - seinem bisherigen Schaffen entsprechend - bei der schwarzen Linie auf weissem Grund und rückt sich damit in die Nähe jenes Mediums (der Filzstift-Zeichnung), auf das sich der betagte Max von Moos aufgrund seiner Sehschwäche konzentrieren musste.
Reduktion und Ephemeres bei Estermann, beträchtlicher Materialaufwand bei Kathriner. Seine Bezugnahme ist direkt, auch wenn er ein Vorgehen wählt, das von Moos durchaus fremd gewesen wäre. Wer Kathriners Raum durch das dunkel aufragende massive Eichentor betritt und dieses hinter sich schliesst, sieht sich isoliert: Das zweite Tor, dem ersten gleich, bleibt verschlossene Mauer. Die Nähe zu von Moos'schen Verbarrikadierungen oder Versteinerungen ist gegeben - ohne vordergründige Illustration.

Bis: 31.07.2011



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Ausgabe 5  2011
Ausstellungen Robert Estermann, Christian Kathriner, Max von Moos, Peter Roesch [19.03.11-31.07.11]
Institutionen Kunstmuseum Luzern [Luzern/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Max von Moos
Künstler/in Peter Roesch
Künstler/in Robert Estermann
Künstler/in Christian Kathriner
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