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Hinweis
5.2011




Stuttgart/Wien/Weil am Rhein : Kosmos Rudolf Steiner


von: Yvonne Ziegler


links: Rudolf Steiner · «je weiter sich der Mensch von der Erde entfernt», Wandtafelzeichnung, 1923 © ProLitteris
rechts: Goetheanum. Westfassade. Foto: Heidi von Schaewen ©ProLitteris


Die Wanderausstellung wartet mit einem spannenden kulturhistorischen Blick auf Rudolf Steiners Kosmos (1861-1925) auf. Deutlich wird nicht nur Beuys' starke Steiner-Prägung, sondern auch, dass der Denker und Gestalter, Forscher und Lehrer für heutige Künstler allenfalls noch als Form- und Ideensteinbruch taugt.
Die Ausstellung anlässlich Steiners 150. Geburtstag wuchert über die üblichen drei Geschosse des Kunstmuseums Stuttgart hinaus in den Längsbau, wo zeitgenössische Positionen von Anish Kapoor, Tony Cragg oder Manuel Graf ihren Platz gefunden haben. Im Zentrum steht Steiners gestalterisches Werk, das nicht losgelöst von zeitgenössischen Strömungen zu verstehen ist: die Formensprache des Expressionismus und Kubismus, der Gesamtkunstwerkansatz des Jugendstils und die sachliche Ästhetik des deutschen Werkbundes, die Neuerungen der Lebensreformbewegungen, die naturwissenschaftlichen Theorien und soziale Fragen. So sind im ersten Teil Steiners Möbel, Vortragszeichnungen, Schriften und Skulpturen in Gegenüberstellung zu Werken und Texten u.a. von Erich Mendelsohn, Frank Lloyd Wright, Adolf Loos und Karl Blossfeld zu sehen, ergänzt um den expressionistischen Film ‹Das Kabinett des Dr. Caligari› sowie Tanzaufnahmen, deren Bewegungen der ab 1913 entwickelten Eurythmie ähneln. Steiner, der lange Jahre den naturwissenschaftlichen Teil von Goethes Sophienausgabe bearbeitete und seit 1902 der theosophischen Gesellschaft angehörte, entwickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine rege Lehrtätigkeit zu unterschiedlichen Wissensgebieten. Der Bau des Goetheanums in Dornach - zunächst hölzern und organisch rund, dann, nach dem Brand, in gestraffter Betonverschalung -, die Entwicklung eines anthroposophischen Bau- und Designstils sowie einer Farblehre und Bühnenkunst bilden den zweiten Teil der Ausstellung. Die praktische Anwendung seiner Theorien im Bereich Heilkunde (Weleda, Farbkammern), Pädagogik (Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart), biologisch-dynamische Landwirtschaft und Wirtschaft (soziale Dreigliederung, dm-Drogerien) ist im dritten Teil zu sehen. Unschwer lässt sich anhand von mehreren Beuys-Werken erkennen, dass der Aktionskünstler die Methode des Vortragens und Tafelzeichnens von Steiner übernommen hat. Der «Schamane» wollte Steiner aktualisieren und auf seine Weise «die Entfremdung und das Misstrauen gegenüber dem Übersinnlichen» wegräumen. Der Steiner-Bezug der ausgestellten zeitgenössischen Künstler - Olafur Eliasson, Helmut Federle, Giuseppe Penone - ist nur lose, wenngleich sich einige, wie Claudia Wieser oder Jan Albers, mit seinem Gestaltungsstil oder Denken auseinandergesetzt haben. Doch das bleibt bruchstückhaft. Steiner ist passé.

Bis: 18.03.2012



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Ausgabe 5  2011
Ausstellungen Kosmos Rudolf Steiner [15.10.11-18.03.12]
Ausstellungen Kosmos Rudolf Steiner [22.06.11-25.09.11]
Ausstellungen Kosmos Rudolf Steiner [05.02.11-22.05.11]
Institutionen Vitra Design Museum [Weil am Rhein/Deutschland]
Institutionen MAK - Museum für Angewandte Kunst [Wien/Österreich]
Institutionen Kunstmuseum Stuttgart [Stuttgart/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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