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Besprechung
6.2011


Verena Kuni :  Es wächst und wächst. Unaufhörlich. Überall. Aus einem Container quellen ohne Unterlass Berge von Badeschaum, in einer Wohnung wuchern unkontrolliert Pflanzen, in einer Fabrik werden Unmengen von Teig produziert. Selbst auf dem verlassenen Bürotisch spriessen zarte Kristalle.


Hannover/Basel-Muttenz/Frankfurt/M : Über die Metapher des Wachstums


  
Michel Blazy · Fontaine de mousse, 2007, Mülltonnen, Schaumbad, Kompressor, Rohre, variable ­Grössen. © ProLitteris, Courtesy Galerie art : concept. Foto: Marc Domage


Wachstum, wortwörtlich. Aber eben nicht allein. Die Bilder, die wir mit ihm assoziieren, scheinen erst einmal positiv belegt. Ausgehend von Naturprozessen, die sich als stets weiterentwickelndes Leben vom Keim bis zur Frucht manifestieren, verheissen sie ewige Verjüngung und Erneuerung. Und nur zu gern folgen wir der Versuchung, sie auf soziale, gesellschaftliche und vor allem wirtschaftliche Zusammenhänge zu übertragen. Dass schon in der Natur Wachstum mit Konkurrenz- und Überlebenskämpfen einhergeht, die zum Zusammenbruch ganzer Systeme führen können, wird allerdings dabei oft ausgeblendet.
Drei Kunstvereine - Hannover, Frankfurt sowie das Kunsthaus Baselland - haben sich zusammengeschlossen, um das spannungsreiche Feld, das ‹die Metapher des Wachstums› eröffnet, mit den Mitteln der Kunst zu sondieren. Gemeinsam wurde eine Reihe von Künstler/innen ausgewählt, die nun in der gleichnamigen Ausstellung parallel an allen drei Orten, jedoch mit jeweils unterschiedlichen Arbeiten vertreten sind. Den jeweiligen Fluchtlinien entsprechend, die sich je nach Auslegung des schillernden Begriffs entfalten, will jede Schau damit einen eigenen Fokus auf unterschiedliche Aspekte des Themas richten.
In Hannover ziehen dabei zunächst ästhetisch starke Bilder von einem entfesselten Wachstum die Blicke an, die zugleich dessen unheimliche Seite unmittelbar evident werden lassen: Etwa mit Michel Blazys ‹Fontaine de mousse›, 2007, deren Blasen ebenso unaufhörlich entstehen wie vergehen, der zerstörerischen Schönheit der Kristallgärten von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, ‹The Conference›, 2010, Reynold Reynolds' abgründigem Blick auf das geheime Leben der Pflanzen, ‹Secret Life›, 2010, oder Mika Rottenbergs jegliche Produktionsökonomie ad absurdum führendem Video ‹Dough›, 2006. Nicht weniger interessant sind jedoch auch jene stilleren Arbeiten, die ihren eigentlichen Aktionsradius ausserhalb des Ausstellungskontextes entfalten - wie etwa Dirk Fleischmanns ‹myforestfarm›, seit 2008, ein Wiederaufforstungsprojekt in Indonesien, das zugleich den CO2-Emissionshandel thematisiert.
Ein roter Faden, der alle drei Orte wie auch die unterschiedlichen Positionen miteinander verknüpft, führt freilich direkt auf die Kunst zurück: Wo könnten Potenziale und Probleme der Metapher deutlicher zusammenkommen als dort, wo immer schon in und mit Bildern gesprochen wird?

Bis: 31.07.2011



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Ausgabe 6  2011
Ausstellungen Über die Metapher des Wachstums [27.05.11-31.07.11]
Ausstellungen Über die Metapher des Wachstums [21.05.11-10.07.11]
Ausstellungen Über die Metapher des Wachstums [16.04.11-26.06.11]
Institutionen Frankfurter Kunstverein [Frankfurt/M/Deutschland]
Institutionen Kunsthaus Baselland [Basel/Muttenz/Schweiz]
Institutionen Kunstverein Hannover [Hannover/Deutschland]
Autor/in Verena Kuni
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