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6.2011




Baden : Blumen & Perlen


von: Simon Baur

  
Raumaufnahme, im Vordergrund: Ruth Maria Obrist, Harmonie reiner Form: Schönheit am Nullpunkt, Kunstraum Baden, 2011


In ihrer ersten Gruppenausstellung im Kunstraum Baden wagt Claudia Spinelli einen Blick in die städtische Kunstsammlung. Unter dem verführerischen Titel ‹Blumen & Perlen› werden anhand sieben exemplarischer Positionen Fragen der Funktionen eines Kunstwerkes untersucht: Wie alltagstauglich soll und darf Kunst sein, nach welchen Kriterien sammeln öffentliche Institutionen? Und lässt sich die Spannung zwischen Künstlerförderung und Bürokunst beheben? Den Titel versteht Spinelli als Spiel mit einer subversiven Gefälligkeit, die Positionen sind klug ausgewählt, weil mögliche Systeme untermauert und zeitgleich infrage gestellt werden.
Während Ruth Maria Obrists weisse Objekte einem rein ästhetischen Kunstbegriff verpflichtet sind und in Büroräumlichkeiten weder störend noch provozierend wirken, ist das Bild von Mireille Gros schwieriger vermittelbar. Es zeigt schwarze und weisse Linien, welche die Form einer Monsterwelle suggerieren. Das Werk, das ebenso narrativ wie abstrakt wirkt, ist ein kühner Kauf, denn es eignet sich kaum für die Hängung in einem Büro. Um das mentale Umfeld des Bildes zu zeigen, hat die Kuratorin weitere thematisch verwandte Leihgaben der Künstlerin dazu gehängt. Ein kluger Schachzug, da das Einzelwerk so in einen grösseren Zusammenhang gestellt und dadurch eine Entwicklungslinie deutlich wird. Gleichzeitig soll damit wohl auch suggeriert werden, dass es sinnvoll wäre, wenn die städtische Kunstkomission zukünftig grössere Werkgruppen ankaufen würde. Christian Vetter thematisiert in seiner Malerei die Industriellenfamilie Brown. In seinen düsteren Gemälden wird die familiäre Villa Langmatt zu einem gespenstischen Anwesen, und die klaustrophobischen Momente setzen sich in den Porträts des Sammlerehepaars fort. Die Tätigkeit des Kunstsammelns wird damit an einem prominenten Beispiel, das gleichzeitig eng mit Baden verbunden ist, kritisch hinterfragt. Thomas Gallers pseudo-konkrete Malerei basiert auf Karten eines Schiessstandes: Das Büro als Kriegsschauplatz wird damit ästhetisch aufgewertet. Die Ausstellung, an der zudem Cécile Hummel, Oliver Lang und Sara Rohner teilnehmen, lebt von den Gegenüberstellungen und setzt die einzelnen Werke prominent in Szene. Ihr Alltag - als Kunst in einem Büro - wird sie schnell genug wieder einholen.

Bis: 26.06.2011



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Ausgabe 6  2011
Ausstellungen Thomas Galler, Mireille Gros, Cécile Hummel, Oliver Lang, Ruth Maria Obrist, Sara Rohner u.a. [28.04.11-26.06.11]
Institutionen Kunstraum Baden [Baden/Schweiz]
Autor/in Simon Baur
Künstler/in Thomas Galler
Künstler/in Mireille Gros
Künstler/in Cécile Hummel
Künstler/in Oliver Lang
Künstler/in Ruth Maria Obrist
Künstler/in Sara Rohner
Künstler/in Christian Vetter
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