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6.2011




Île de Vassivière (Limousin) : Bethan Huws


von: J. Emil Sennewald

  
links: Bethan Huws · Forest, 2008-2009, 88 Flaschentrockner und Neon, Ausstellungsansicht © ProLitteris. Courtesy Yvon Lambert, Paris/New York. Foto: André Morin
rechts: Bethan Huws · Black and White Animals, 2011, Ausstellungsansicht © ProLitteris. Courtesy Yvon Lambert, Paris/New York. Foto: André Morin


Noch immer liegt das internationale Zentrum für Kunst und Landschaft inmitten einer Postkartenidylle. Sein Ruf trägt es, dank gelungener Pionier-Ausstellungen von Huang Yong Ping, Victor Man oder Rosa Barba, weit ins Globale. Die postmodern-manierierten Gebäude von Aldo Rossi sind mittlerweile Referenz: als die ersten, die 1989 eigens für ein Kunstzentrum gebaut wurden. Landschaftsbilder, Pioniergeist und Referenzen sind Hauptthemen der grossen Monografie von Bethan Huws. Die Waliserin hat gerade, nach zehn Jahren, Frankreich den Rücken gekehrt, ist nach Berlin gezogen. Ihr ging es, wie vielen international erfolgreichen Künstlern hier: Der Kunstbetrieb übersieht sie so gründlich, bis sie enttäuscht abziehen. Exzentrische Kunstzentren sind oft einziges Refugium. Die Zusammenarbeit mit Direktorin Chiara Parisi ergab sich aus dem öffentlichen Auftrag an Huws, einen Film über das Limousin zu drehen. Die als leer geräumtes Wanderparadies geschätzte Region hat mit 17 Kunstorten die höchste Kunstdichte Frankreichs - in Relation zur Einwohnerzahl. «Bethans Ortsbegehungen führten sie oft auf die Insel, wir wollten ihre plastischen und installativen Arbeiten, nicht ihre Filme zeigen», berichtet die rührige Italienerin, die gerade im historischen Herrenhaus des CIAP ein Residenzprogramm einrichtet. Ab 2012 stehen drei Apartments «als Labor für Kunstentwicklung» zur Verfügung. Bethan Huws kommentiert die künstlerische Landschaft Frankreichs. Monolith in deren Mitte: die übermächtige Vaterfigur Marcel Duchamp. Dessen Urinoire wandelt sie zur Sanduhr. Duchamp wandte das Readymade und gab ihm mit der Signatur «R. MUTT, 1917» Richtung und Sinn. Huws löst diese sinngebende Geste mit der Sanduhr auf, die beidseitig signiert ist. Wie man sie auch wendet, sie bleibt gleich - und zeigt mit der verrinnenden Zeit auch die Drehung aus der Erstarrung des historischen Vorbilds. Vergesst Duchamp! Eignet euch die poetische, gestalterische Dimension fertig gemachter Installationen neu an! Auf der Insel hat Huws drei bronzene Kleiderständer wie Bäume aufgestellt. Artifizielle Signale im scheinbar natürlichen, tatsächlich ebenso künstlichen Skulpturen-Wald. Das setzt versteinerte Referenzen in Bewegung. Und zeigt durch Objekte, wie dem Miniatur-Vorhang, in dessen Falten sich je nach Blickwinkel das Wort «Certain» zu «Brain» umformt, wo Pioniergeist und Sinnfindung beginnen: Nicht im evidenten Spektakel, sondern bevor sich der Vorhang hebt, im Kopf.

Bis: 19.06.2011



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Ausgabe 6  2011
Ausstellungen Bethan Huws [13.03.11-19.06.11]
Institutionen Centre International d'Art et du Paysage [Ile de Vassivière/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Bethan Huws
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