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6.2011




Kassel/Wien : Andro Wekua


von: Anne-Kathrin Auel

  
links: Andro Wekua · Should be titled, 2010/2011, Detail, Installationsansicht Kunsthalle Fridericianum. Courtesy Gladstone Gallery. Foto: Nils Klinger
rechts: Andro Wekua · Pink Wave Hunter Series, 2010/2011, Detail, Installationsansicht Kunsthalle Fridericianum. Courtesy Gladstone Gallery. Foto: Nils Klinger


Selbst wenn Andro Wekua (*1977) sich gegen die Kategorie Kitsch sperrt, so im Künstlergespräch in der Kunsthalle Fridericianum, bedient er mit seinen Werken unter anderem exakt diesen Bereich. Doch Delphine vor untergehender Sonne erinnern nicht nur an die Sehnsuchtsbilder einer Jugend in den Achtzigerjahren. Neben popkulturellem Zitat sind die durch die Luft springenden Tiere auch Verweis auf Wekuas Geburtsort. Der gebürtige Georgier wuchs in der am Meer gelegenen Stadt Sochumi auf. In Kassel erinnert sogar die Auslegware an das Meer, denn der Teppich, mit dem der Ausstellungssaal bestückt wurde, ist sandfarben.
Wekua bedient sich nicht nur der Alltagskultur, sondern ebenso der Kunstgeschichte: So ist beispielsweise in der Kunsthalle Wien eine Keramikfigur zu sehen, bei der man an feingliedrige Details von Skulpturen aus Marmor denken kann, denen Stege einen Halt geben. Der Steg, der Wekuas Skulptur beigegeben ist, hat allerdings eine grobe Struktur und erscheint durch einen ockerfarbenen Anstrich wie eine Dachlatte. Beim Rückgriff auf die Kunst lassen sich auch ganz konkrete Vorbilder erkennen. Der zur raumfüllenden Arbeit gewordene Sockel der Skulptur ‹Should be titled›, 2010/11, erinnert beispielsweise an Barnett Newmans ‹Broken Obelisk›.
Die Herstellung seiner Arbeiten überlässt der Künstler Fachleuten. Doch die in Kassel gezeigten Architekturmodelle faszinieren nicht nur durch ihre Präzision, sondern dass sie etwas nachbilden, das längst gebaut worden ist. Dies wird sogar überspitzt, indem sich das Dargestellte schon im Stadium des Verfalls befindet. Zwischen den Arbeiten in unterschiedlichen Medien gibt es, einschliesslich der Filme, immer wieder Entsprechungen. Das Gerüst eines verfallenen Gebäudes ist mit der Trägerstruktur der gekachelten Fläche vergleichbar, auf der eine Wachsfigur präsentiert wird. Das Thema Sockel bezeichnet der Künstler insofern als wichtig, als dieser die Distanz einer Skulptur zum Betrachter bestimmt.
Gemeinsam mit dem Castello di Rivoli in Turin, wo zurzeit ebenfalls eine Ausstellung des Künstlers zu sehen ist, erschien ein Katalog. Andro Wekua wird auf der Biennale di Venezia vertreten sein; gerade ist er für den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst nominiert.

Bis: 05.06.2011



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Ausgabe 6  2011
Ausstellungen Nina Canell, Andro Wekua [12.03.11-05.06.11]
Ausstellungen Andro Wekua [02.05.11-04.09.11]
Institutionen Kunsthalle Fridericianum [Kassel/Deutschland]
Institutionen Kunsthalle Wien Museumsquartier [Wien/Österreich]
Institutionen Castello di Rivoli [Rivoli/Italien]
Autor/in Anne-Kathrin Auel
Künstler/in Andro Wekua
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