Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
6.2011




Zug : Domizil Zug - so und anders


von: Niklaus Oberholzer

  
links: etoy. CORPORATION, Sepp Keiser, 2011. Foto: Luca Zanier
rechts: Hans Potthof, Holzer, 1978/79, Privatbesitz Zug


Heimspiele der besonderen Art: Hans Potthof (1911-2003), Maler, Eklektiker und Spätling, spezialisiert auf unberührte und idyllische Zuger Landschaft, wird von Matthias Haldimann in der Ausstellung ‹Domizil Zug› mit einer kleinen Werkwahl geehrt. Der Kunsthaus-Direktor bettet ihn ein in die Zuger Kunst der Jahrhundertmitte, zu der auch der Freidenker Fritz Wotruba gehört. Doch Haldimann bleibt nicht dabei, sondern setzt einen kräftigen Gegenakzent, den man durchaus auch als Ironisierung der heilen Welt Potthofs interpretieren darf. Er lud das international zusammengesetzte und auch international tätige Künstlerkollektiv etoy.CORPORATION zur Show. etoy besteht seit 1994, ist real mit Installationen und Aktionen und virtuell im Internet tätig und wählte als reale Aktiengesellschaft Zug zum Domizil. Zug ist einerseits (immer noch) die Agrarlandschaft zwischen See und Gubel, aber andererseits auch Ausgangspunkt manch global ausgreifender Geschäfte, ob es um Rohstoffe oder um Finanzen geht - oder eben um eine schwer fassbare künstlerische Internet-Aktivität. Potthof und seine Freunde sahen Zug als ihre sie tragende Heimat, für etoy ist die Heimat überall und nirgendwo. Die Zuger Künstler gaben ihre Berufe auf für die Freiheit der Kunst, die etoy-Agenten üben, im Gegenteil, ihren Beruf (als Manager, Designer, Werber, Techniker, Grafiker) aus, um sich den Luxus der künstlerischen Freiheit erst gönnen zu können. Potthof sah sich als unverwechselbares künstlerisches Individuum, die etoy-Leute können nur als Kollektiv tätig werden. All das machte die Zuger Ausstellung auf eindrückliche Weise deutlich. etoy.CORPORATION präsentiert sich vor allem mit dem auf ewige Dauer angelegten Projekt ‹Mission eternity›, das einen Totenkult im Internet begründen will und für das sich der 83-jährige Zuger Alt-Unternehmer Sepp Keiser, Pionier des Mikrofilm- und Kopierwesens in der Schweiz - neugierig und quicklebendig wie eh -, als Testpilot zur Verfügung stellt. etoy hat übrigens auch ein paar Gramm der Asche von Timothy Leary ins Projekt einbezogen. Der in der Ausstellung gezeigte Dokumentarfilm über das Projekt macht deutlich, dass die etoy-Agenten keineswegs einen Beitrag zur Spassgesellschaft leisten, sondern sich ernsthaft mit Fragen von Zeit und Ewigkeit, von Leben und Tod auseinandersetzen wollen.

Bis: 29.05.2011



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 6  2011
Ausstellungen Potthof zu etoy.Corporation [16.04.11-29.05.11]
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Hans Potthof
Künstler/in etoy.CORPORATION
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=110516114523LVA-31
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.