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Besprechung
7/8.2011


Daniel Morgenthaler :  Sogar über Abgrund balanciert der Seiltänzer betont geistesabwesend: In den Gemälden des US-Malers Hernan Bas machen die Protagonisten nicht wirklich mit. Die Dramatik dieser in der Einzelschau ‹Perennial Affairs› in der Galerie Peter Kilchmann zu sehenden Bilder liegt anderswo.


Zürich : Hernan Bas, ‹Perennial Affairs›


  
Hernan Bas · By noon it was clear, all tomorrows parties would be yesteryear, 2011, Acryl, Airbrush, Blockdruck auf Leinwand, 213 x 185 cm


Malerei muss ganz schön langweilig sein. Zumindest beginnt man das zu glauben, wenn man den Protagonisten in den grossformatigen Acrylarbeiten von Hernan Bas (*1978, Miami, lebt in Detroit) zuschaut. Ganz ähnlich wie in den Werken des Amerikaners Raffi Kalenderian, dem die Galerie Peter Kilchmann ebenfalls schon eine Einzelausstellung gewidmet hat, sitzen oder stehen die meist männlichen Personen auch bei Bas im Bildraum herum - und zwar, als ob sie alles nichts anginge.
Während bei Kalenderian aber der Ennui in zeitgemässen Interieurs gepflegt wird, gäbe es bei Bas genügend Argumente gegen die Langeweile: In ‹The Dead Line›, 2011, etwa gleitet eine Figur abwesend auf einem Seil über einen dunklen Abgrund, vor dem Hintergrund einer mysteriös-gotischen Architektur. In einer anderen neuen Arbeit schaut die einzige Person im Bild emotionslos einem Faultier beim Klettern an einem Fluss mitten im Dschungel zu. Und wenn man ‹A Satanist on a Sunday› gesehen hat, weiss man auch, dass selbst ein Teufelsanbeter am Tage des Herrn gerne einmal ein Buch liest.
In einem weiteren aktuellen Werk herrscht offensichtlich ein starker Wind, der bunte Fähnchen an Seilen wild flattern lässt. Doch auch hier gilt: Die Bildfigur kneift nicht einmal die Augen zusammen. Vielleicht ist das die Strategie von Bas, die naturalistische Malerei wieder Malerei werden zu lassen - und nicht einfach eine Sekundärstufe der Fotografie. Wer nämlich einfach Fotos abmalt - wie das in den letzten Jahren zahlreiche Künstler getan haben - verbaut sich das Fantasie-Potenzial der Malerei, die rasch einen Sonntagssatanisten oder einen Seiltänzer über dem Abgrund herbeipinseln kann.
Fragt sich nur, weshalb das Bildpersonal hier trotz all der malerischen Fantasieumgebung so abwesend wirkt? Vielleicht geht es den jugendlichen Gestalten gleich wie uns, und Themen wie Satanismus oder Seiltanz kamen schon zu oft am Fernsehen oder auf YouTube, als dass sie uns noch fesseln könnten. Und vielleicht sind die Bildprotagonisten auch gar nicht gelangweilt, sondern posieren nur konzentriert - das muss man bei der Malerei einiges länger als bei der Fotografie. Da waren einem die nonchalant auf Sofas rumlümmelnden Figuren Raffi Kalenderians dann doch näher.

Bis: 30.07.2011



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Ausgabe 7/8  2011
Ausstellungen Hernan Bas, Artur Zmijewski [11.06.11-30.07.11]
Institutionen Peter Kilchmann [Zürich/Schweiz]
Autor/in Daniel Morgenthaler
Künstler/in Hernan Bas
Künstler/in Artur Zmijewski
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