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7/8.2011




Altdorf/Schaffhausen : Viel Lärm um Alles


von: Dominique von Burg

  
links: Andreas Dal Cero · Sonnenaufgang, 2007, Öl auf Leinwand, 100,5 x 120,3cm, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen. Foto: Jürg Fausch
rechts: Terry Rodgers · The Veil of Refracted Inferences, 2010, Öl auf Leinen, 178 x 213 cm. Courtesy Galerie Nicola von Senger, Zürich


Seit Beginn des neuen Jahrhunderts treiben neobarocke Tendenzen respektive Haltungen von zeitgenössischen Kunstschaffenden, die das vielfältige ästhetische Vokabular des 17. und 18. Jahrhunderts aufgreifen oder einem barocken Kunstkonzept verwandt sind, zarte und wilde Blüten. Anders als in vielen postmodernen Zitatspielereien, die vornehmlich durch eine minimalistische und konzeptuelle Ästhetik gekennzeichnet sind, stellt die heutige Auseinandersetzung mit neobarocken Formen, Ideen und Inhalten auch die Konflikte und Widersprüche einer Epoche heraus, die manche Parallelen zu unserer Zeit aufweist. Warf der Dreissigjährige Krieg (1618-1648) einen Schatten auf das Lebensgefühl und alles Schaffen, sind es heute die Schrecken des 20. Jahrhunderts, die lange andauernde Okkupation arabischer Länder und die Atom-Angst.
Jedenfalls bestimmt das Thema die Agenda zahlreicher Kunstinstitutionen. Im Herbst 2011 wird in London Ontario, Canada die Ausstellung ‹Barroco Nova. Neo-Baroque Moves in Contemporary Art› im Museum London, im ArtLab und in der McIntosh Gallery eröffnet. Im Museum zu Allerheiligen wird mit ‹Blaubart-Barock. Verborgene Barockmalerei aus der Sammlung› den typischen Prinzipien des Barocks in Werken aus der Sammlung vom 17. Jahrhundert bis heute nachgespürt. Es wird aufgezeigt, wie in der zeitgenössischen Kunst verschiedenste Spuren zurück zum Barock führen.
In den Räumen des Hauses für Kunst Uri haben nun die Kuratoren Bruno Z'Graggen und Barbara Zürcher eine kaleidoskopartige Show mit 21 Positionen zusammengestellt. Die einzelnen künstlerischen Positionen stehen für sich und sind dennoch einem quasi barocken Vokabular verpflichtet. Zum Beispiel mit den für den Barock kennzeichnenden Gegensatzpaaren zwischen Allegorie und Realismus, Fest und Vanitas, Erotik und Religion und zwischen heilig und profan. Während der Amerikaner Terry Rodgers mit klischierten, irritierenden Hochglanzbildern von Luxus und Lust Gefühle von Einsamkeit und Verlust erzeugt, verfolgt Una Szeemann in ihrem Video ‹Thrill me›, 2004, mit Originalmaterial den Wandel des hübschen Michael Jackson zu einem weissen Monster. Sie zeigt, welch absurde Dimensionen das gezielte Spiel mit Maskierungen annehmen kann. Jean Tinguelys ‹Study for an End of the World Nr. 2›, 1962, appelliert einerseits an die selbstzerstörerische atomare Spirale. Andererseits kann diese gefilmte Aktion als Verweis auf die immer wiederkehrenden Weltuntergangsfantasien mit ihren entsprechenden psychologischen Implikationen gedeutet werden.

Bis: 28.08.2011



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Ausgabe 7/8  2011
Ausstellungen Barockes in der zeitgenössischen Kunst [18.06.11-28.08.11]
Ausstellungen Blaubart-Barock [19.06.11-21.08.11]
Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Institutionen Museum zu Allerheiligen [Schaffhausen/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
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