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7/8.2011




Bern/Wichtrach : Peter Weibel, ‹Mediapoet›


von: Alice Henkes

  
links: Peter Weibel · Aus der Mappe der Hundigkeit, 1968, Videostill
rechts: Vollrad Kutscher · Escape, 2011, Tröpfchen, Multimedia-Installation © ProLitteris


Gilt das klassische Tafelbild als Fenster, so sieht Peter Weibel (*1944) virtuelle Bilder als dynamische Systeme, «die wie Türen funktionieren», durch die wir hindurchgehen können. In einem Video-Essay von 1992 träumt der österreichische Medienkünstler und Kunsttheoretiker von Bildern, «die sich bewegen wie wirkliche Lebewesen». Lustvoll denkt Weibel die cartesianische Idee vom Menschen als Maschine fort, der seinerseits Maschinen baut, deren Produkte er, wie der Bildwissenschaftler W.J.T. Mitchell schreibt, für natürlich hält.
Der international bekannte Künstler und Leiter des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe beschäftigt sich in seinem Werk mit dem Verhältnis zwischen Mensch, Maschine, Medium und der Beziehung des Menschen zur eigenen Physis. Dies zeigt auch die Ausstellung ‹Mediapoet›, die das Schaffen Weibels würdigt und das Erscheinen einer gleichnamigen DVD begleitet. Gerhard Johann Lischka, Medienphilosoph und enger Freund des Künstlers, hat die Videos für DVD und Präsentation im Depot der Galerie Henze + Ketterer zusammengestellt. Die frühesten Aufnahmen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren dokumentieren Performances, die in Kooperation mit Valie Export entstanden. In ‹Aus der Mappe der Hundigkeit›, 1968, tappt der junge Weibel an der Hundeleine auf allen Vieren durch Wien. Das ‹Tapp- und Tastkino›, 1969, lud Passanten ein, Exports Brüste zu begrapschen und «die Grenzen der Vernunft und Sittlichkeit» zu überschreiten. Später wagt Weibel sich ‹Über die Grenzen des Realen›, 1992, und erklärt einen im Standbild eingefrorenen Wasserschwall zur ‹Imaginären Wasserskulptur›, 1972. In den letzten Jahren entstanden vor allem Interviews und Gespräche mit illustren Persönlichkeiten wie Umberto Eco oder Alexander Kluge.
In der Ausstellung werden die Videos anregend ergänzt durch Vollrad Kutschers (*1945) Porträt­installation ‹Escape›, die sich mit Lichtprojektionen, Video- und Soundsequenzen Weibels Persönlichkeit annähert. Da werfen ‹Leuchtende Vorbilder› - auf Glaskappen gemalte Porträts berühmter Persönlichkeiten - Schatten an die Wand. Auf die Mensch-Maschine-Analogie verweist ein Foto, das ein Stück Haut mit integrierter Escape-Taste zeigt und die mediale Möglichkeit anklingen lässt, den Grenzen der eigenen Körperlichkeit zu entkommen.

Bis: 20.08.2011


‹Peter Weibel - Mediapoet›, DVD, Benteli Verlag, 2011



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Ausgabe 7/8  2011
Ausstellungen Vollrad Kutscher, Peter Weibel [10.05.11-03.12.11]
Institutionen Galerie Henze und Ketterer [Bern/Wichtrach/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Peter Weibel
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