Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
7/8.2011




Langenthal/Bern : Martin Ziegelmüller


von: Alice Henkes

  
links: Martin Ziegelmüller · Floatglaswerk, 1998, Acryl auf Papier, 100 x 70 cm
rechts: Martin Ziegelmüller · Versunkenes Bern, 1975, Acryl auf Leinwand, 65 x 81 cm. Courtesy Slg. der Stadt Bern


Gemeinsam richten Kunstmuseum Bern und Kunsthaus Langenthal dem Berner Maler Martin Ziegelmüller (*1935) einen Werküberblick ein, der neben Naturdarstellungen auch Bilder aus der Arbeitswelt enthält und zeigt, dass Werkstätten ebenso Resonanzräume des Menschen sind wie Wasser und Gärten. Mit 15 Jahren hat sich der in Vinelz lebende Ziegelmüller aufgemacht, die Welt mit künstlerischen Mitteln zu erkunden. Bei dem bereits hochbetagten Cuno Amiet übt er zeichnen. Später schreibt er sich an der Académie André Lhote in Paris ein. Seither hat er ein Œuvre geschaffen, das weniger durch den Umfang als durch die thematische Bandbreite besticht. Von sensibel wahrgenommenen Naturstimmungen, surrealen Weltuntergangsszenarien bis hin zu modernen Arbeitsstätten in Glaswerken und Operationssälen - Ziegelmüller bearbeitet wahrlich ein ‹Weites Feld›, wie der Titel einer grossen Retrospektive lautet.
Die zwei Häuser teilen sich die thematisch gegliederte Ausstellung: In Bern arrangierte Matthias Frehner teils grossformatige Wasser-, Wolken-, Stadtbilder, in Langenthal legte Eveline Suter einen Schwerpunkt auf Darstellungen aus der Arbeitswelt - einem raren Sujet in der Schweizer Kunst. Deutlich spürbar ist die Faszination für glatte, spiegelnde Oberflächen, etwa in ‹Autoscheibenproduktion (Autoglas)›, 1997/98. Die kühlen Lichtverhältnisse moderner Produktionshallen gestaltet Ziegelmüller ebenso sensibel wie das Spiel heisser Funken über den Schmelzöfen in ‹Floatwerk›, 1998.
«Für mich lief die Arbeit am besten, wenn ich mich als Arbeiter unter Arbeitern einordnen konnte», zitiert ein Saaltext die Herangehensweise Ziegelmüllers, der seine Motive gründlich studiert und gleichsam von innen heraus gestaltet. Die Wolken- und Naturbilder spiegeln ihm vertraute Landschaften. In Werkhallen und OP-Säle gelangt er über Bekanntschaften mit Chirurgen, Glas- und Papierfabrikanten. Doch so zeitrelevant die künstlerischen Einblicke in eine hochtechnisierte Arbeitswelt sind, so traditionell ist hier die Malhaltung Ziegelmüllers. Aus der Distanz schaut er in die weiten Fabrikationshallen, die er ästhetisch erschliesst, dennoch ist er wohl nie ganz zu Hause in dieser Arbeitswelt. Moderner wirken daneben klassische Motive wie Gärten und Häuser am Wasser, die Ziegelmüller wie Blow-ups malt, kleine Ausschnitte, stark vergrössert. ‹Frühling im Auwald›, 2006, zeigt die Vegetation so nah, als sei Ziegelmüller zur Ameise unter Ameisen geworden.

Bis: 14.08.2011


mit Katalog



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 7/8  2011
Ausstellungen Martin Ziegelmüller [20.05.11-14.08.11]
Ausstellungen Martin Ziegelmüller [19.05.11-10.07.11]
Institutionen Kunstmuseum Bern [Bern/Schweiz]
Institutionen Kunsthaus Langenthal [Langenthal/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Martin Ziegelmüller
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=110624115533HAR-28
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.