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7/8.2011




Zürich : Neue Masche


von: Annelise Zwez

  
links: Isabel Berglund · Wall of stitches mit Co-Kuratorin Tanja Trampe, 2011, Ausstellungsansicht Museum Bellerive
rechts: Pudelskern · Feeler, 2009, Bodenlampe, gehäkeltes Wollgarn. Foto ©Markus Bstieler


Dass Eva Ahfus die 54 Positionen in der Ausstellung ‹Neue Masche - gestrickt, gestickt und anders› im Museum Bellerive mit einer «magischen» Kordel vernetzte, sei wie ein Bild ihrer Arbeitsweise. So charakterisiert Co-Kuratorin Tanja Trampe die im Frühjahr tödlich verunglückte Direktorin des Hauses. Wer welche Fäden spinne, wer Grenzen einbinde, wer mit wem an was webe, habe sie fasziniert und geleitet. Christian Brändle, Direktor des mit dem Bellerive verbundenen Museums für Gestaltung, ergänzt, es sei typisch, dass Ahfus seine Skepsis gegenüber dem Thema nicht akzeptiert, sondern den Gegenbeweis angetreten habe. Zusammen mit Trampe und Mònica Gaspar entwickelte sie ein Konzept, das aufzeigt, wie facettenreich und innovativ sich die einst ins häusliche Ghetto verbannten Techniken des Stickens und Strickens in neue Formen von Design, Kunst, Performance und Interaktion verwandelt haben, und zwar ebenso von Männern wie von Frauen. Den «alten Zopf» schneidet Laura Neuvonen im animierten Märchen ‹The Last Knit› gleich zu Beginn ab. «Die neue Lust am Selbermachen» ist vielfach losgelöst von Funktion, stellt sich selbst dar oder ist in unorthodoxe Arbeitsmethoden und Materialien eingebunden. So verwendet der Koreaner Kwango Lee Elektrokabel, um Möbel zu stricken, während Sebastian Schönheit das Stricken mit selbst angefertigten, 160 cm langen Nadeln zur Performance stilisiert. Aber auch die Stofflichkeit wird thematisiert, etwa in den gestickten Schneeflocken auf Fotografie von Marion Strunk oder den mit Baumwolle vielfarbig materialisierten ‹Knitted Brains› von Karen Norberg. Schade, dass hier (und anderswo) lediglich Lambda-Prints die Materialität repräsentieren. Nicht fehlen darf die Ironie: im gestrickten ‹Orkantaumel› von Wiedemann/Mettler oder den ‹schlaffen Architekturen› von Annette Streyl zum Beispiel. Es geht aber nicht nur um Potpourri. Geschickt wird auf die Vernetzung mit der Tradition verwiesen, u.a. anhand einer Stickerei von Alice Bailly und einem Gobelin von Ernst Ludwig Kirchner; Letzterer in Dialog mit dem Gobelin eines Männeraktes von Reto Leibundgut. Da ist aber auch das Video ‹La Motte› von Rosemarie Trockel (1993), in dem eine Motte die Maschen nicht frisst, sondern strickt. Den wieder populär gewordenen Strickzirkeln antwortet eine Installation im Aussenraum, welche die Besuchenden mit einem ‹Knitting Kit› aus dem Museumsshop erweitern können.

Bis: 24.07.2011



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Ausgabe 7/8  2011
Ausstellungen Neue Masche – Gestrickt, gestickt u. anders [29.04.11-24.07.11]
Institutionen Museum Bellerive [Zürich/Schweiz]
Autor/in Annelise Zwez
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