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Editorial
9.2011





  
TITELBILD · Alexandre Joly · Sacred Peanut Park, 2011. Foto: David Gagnebin-de Bonsi


Wir packten unsere Kisten, kurz bevor die Handwerker mit ihren Maschinen auffahren werden, um unsere bisherigen Redaktionsräume auszukernen. Zwar immer noch im Zürcher Kreis 4, logieren wir nun am Rand des Gleisfelds in einer ganz anderen Klimazone. Vor dem Fenster quietschen die Züge, in der Ferne leuchtet der Waldrand von Höngg. Doch den Weitblick geniessen wir nur auf Zeit. Rundum dröhnen die Baumaschinen, Richtung Hauptbahnhof entsteht die neue Europaallee. Auch neben uns wird gebaut. Vor den Fenstern wird eine spiegelnde Fassade in die Höhe wachsen, die gehobene Wohnsphären birgt. Bald wird in unseren Büros statt Fernsicht Introspektion angesagt sein.
Zur Kunst gehört beides, in die Zukunft denken und Gegebenes reflektieren. Doch anders als bei der hektischen Bauerei rundum geht es bei künstlerischen Strategien nicht um Spekulation, sondern um ein geistiges Variantenfahren. Sie führen in die Breite, in die Tiefe, zur ganz grundsätzlichen Frage: Wo liegt der Gewinn, wenn er sich nicht in einer kontinuierlich nach oben kletternden Kurve bemessen lässt?
Die hier vorgestellten Künstler Bucky Fuller, Blinky Palermo oder Roman Ondák geben Antworten. Ihnen gemeinsam ist ein offenes Denken, ein Bekenntnis zur Reduktion, ein «postmaterialistischer» Lebensstil, der sich in ihren prozessorientierten Werken spiegelt. Erfrischend zeigen sie auf, wie beständig sich ein dünnwandiges Dach über dem Kopf erweisen kann, wie weit sich ein lockerer Strich über einen kleinen Notizzettel hinausfegen lässt oder wie wenig es braucht, um ins All zu fliegen. Claudia Jolles



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Ausgabe 9  2011
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