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Besprechung
9.2011


Gisela Kuoni :  Was der Churer Galerist Luciano Fasciati im letzten Sommer wagte, lebt weiter und belebt sich neu. Im historisch-verwunschenen Hotel Bregaglia in Promontogno haben sich zu den Kunstschaffenden der ersten Stunde neue Protagonisten mit spannenden Positionen gesellt.


Promontogno : ‹Arte Hotel Bregaglia›, Kunstereignis mit Fortsetzung


  
Conrad J . Godly · The Message, 2011, Installation, Trockenmauer aus Soglioquarzit, Schublade aus Stahlblech mit geheimem Inhalt, 290 x 99 x 55 cm. Foto:Ralph Feiner


Alle Arbeiten stehen in engem Bezug zum Haus, zu dessen Standort und Geschichte. Vielschichtig, geheimnisvoll, von alchemistischen Symbolen durchdrungen und mit lyrisch-hermetischen Texten bereichert, arbeitet sich Remo Albert Alig in einer vertikalen Achse durch den Hotelturm. Im ebenerdigen «Salon» ist der goldgerahmte Spiegel über dem Kamin ausgefüllt mit tiefschwarzem Russ und zum Schriftträger mutiert. Im darüberliegenden Zimmer 10 wird aus dem Schwarz ein Weiss - ein marmorner Schlüsselanhänger mit einer römischen X. Ein geflügeltes Medaillon prangt als neues Nummernschild über der Tür. Als dritte Stufe des alchemistischen Prozesses der Reinigung steigt schliesslich ein Phönix aus der Asche, wenn in der Dämmerung hoch oben über der Wetterfahne auf dem Turm ‹Rubedo-Phönix› wie ein Feuervogel aufleuchtet - eine wirkungsvolle und sinnreiche Lichtinstallation.
Auf dem Dach, wo bisher eine Schweizerfahne hing, flattern jetzt farbige ‹Windbeutel› von Isabelle Krieg, eine fünfteilige Arbeit, deren Formen an Äste, Kristalle, Geweihe, Fische, Pilze erinnern und so mit dem Bergell in Verbindung treten. Wiedemann/Mettler erinnern mit einem aus zwölf Servietten zusammengenähten Tischtuch an das letzte Abendmahl ‹Last Dinner 1› - die Spuren eines üppigen Gelages mit Wein und saucenreicher Polenta wirken ebenso dekorativ wie provokativ. Conrad J. Godly zeigt mit einer Trockenmauer aus Soglioquarzit in einer Nische im Treppenaufgang erstmals eine installative Arbeit. Den Inhalt der darin eingemauerten geheimnisvollen Schatulle kennt allerdings nur der Künstler.
Gaudenz Signorell zaubert mit wandfüllender Zeichnung, Nachttischlampe, Fotos, Büchern, Bildern und einem begonnenen Tagebuch in einem der Gästezimmer eine besondere Atmosphäre. Judith Albert hat neue Namensschilder in Bregaiot platziert und mahnt in einem Video mit Kaktus und ablaufender Sanduhr an die verrinnende Zeit. Evelina Cajacob zeigt die verblüffende Videoarbeit ‹HandArbeit›, bei welcher in endlosem Prozess leinene Küchentücher sorgsam meditativ zusammengelegt werden. Das Künstlerpaar huber.huber untersucht künstliche und natürliche Kristalle. Fotografierte Modelle aus dem Internet bilden sie mit weichem Kohlestift ab und bringen so eine künstliche Bergwelt in den Frühstückssaal. Daneben züchten sie in einer Installation in 20 Glaszylindern ihre eigenen glitzernden Juwelen, wenn sich aus einer Salzlösung über Wochen wie von selbst ganz unterschiedliche bizarre Alaun-Kristalle bilden.

Bis: 01.10.2011



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Ausgabe 9  2011
Autor/in Gisela Kuoni
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