Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
9.2011


Ruth Händler :  So überhitzt die Biennale Venedig mit dem Hype der Preview-Tage im Arsenale und in den Giardini startet, so gelassen geht's in die zweite Hälfte der Ausstellungsdauer. Kunst ist genug da. Abseits der Hauptausstellung und der Länder-Pavillons in der Stadt lockt das üppige Begleitprogramm der ‹Eventi collaterali›.


Venedig : Biennale Venedig, ‹Eventi collaterali›


  
Thomas Huber und Wolfgang Aichner · Passage2011, Transport des Bootes über die Alpen, 2011 © ProLitteris. Foto: Matthias Fuchs


«Später kommen ist cool», meinen die Münchner Künstler Thomas Huber und Wolfgang Aichner. In wochenlanger Schwerstarbeit zogen die beiden ihr selbstgebautes Werk, ein 150 Kilogramm schweres rotes Glasfaserlaminat-Boot, eigenhändig und eigenfüssig über den Alpenhauptkamm. Die illustre Schar der Kunstinsider war schon längst abgereist, als das bayrische Duo am Apostoli-Kanal die frisch getaufte SISY zu Wasser liess. Eine Triumphfahrt gen Sonnenuntergang auf dem Canale Grande - das war die Vision. Stattdessen säuft SISY sofort ab und tunkt ihre Kapitäne des Herzens ins nicht ganz leckere Lagunenwasser. Nun steht der rote Kunst-Kutter mit der multimedial aufbereiteten Geschichte des «aktionistischen transalpinen Dramas» namens ‹Passage 2011› in der Scuola dell'Angelo Custode am Campo Santi Apostoli und lädt dort bis zum 11. September zum produktiven Nachdenken ein - über Sinn und Absurdes, über Hoffnung und Scheitern.
Eine andere, wesentlich prominentere Kirche ist dieses Jahr Wallfahrtsort der Fans von Anish Kapoor. Leider ist ‹Ascension›, die wunderbare Erscheinung der aufsteigenden Säule in der Vierung der Palladio-Kirche San Giorgio Maggiore, nur sehr schütter zu sehen und in ihrer Semi-Funktionalität dem donnerschallenden Ruf des Weltkünstlers eher abträglich. Umso schöner ist dann, da man bereits auf der Insel der Fondazione Cini ist, die Entdeckung einer der besten Ausstellungen des Biennale-Begleitprogramms: ‹Penelope's Labour› spannt den Bogen von antiken zu zeitgenössischen Tapisserien und führt mit monumentalen Werken unter anderen von Grayson Perry und Carlos Garaicoa vor Augen, welchen grandiosen Aufschwung die Webtechnik dank Computer gesteuerten Programmen genommen hat.
Die Kirche San Lio in Castello gehört nur zur Biennale-Zeit zu den absoluten Musts. Dieses Jahr beherbergt sie die ‹Breughel-Suite› des polnischen Filmkünstlers Lech Majewski, die ebenfalls zeigt, wie moderne Technologie unsere Bildersehnsucht auf gute Weise bereichern kann. Wir tauchen ein in die Szenerie des Malers aus dem 16. Jahrhundert vor seinem Sujet: Majewski hat in einer digitalen Umsetzung alle Figuren auf Breughels Bild ‹Aufstieg zum Kalvarienberg› belebt und daraus eine eigene filmische Geschichte gesponnen: unbedingt anschauen!

Bis: 27.11.2011



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 9  2011
Autor/in Ruth Händler
Künstler/in Thomas Huber
Künstler/in Wolfgang Aichner
Link http://www.passage2011.org
Link http://www.cini.it/it/event/list
Link http://www.scotlandandvenice.org
Link http://www.mexicobienal.org
Link http://www.fondazioneprada.org
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=110817220451A7S-15
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.