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9.2011




Bellelay : Florian Graf


von: Annelise Zwez

  
Florian Graf · Well,Come, 2011, Abbatiale de Bellelay


Eine zwölf Meter hohe Zimmermannsarbeit prägt den Auftritt von Florian Graf (*1980) in der Abbatiale de Bellelay. Die austarierte Zick-Zack-Geometrie kontert die barocke Architektur des Kirchenschiffes. Ihre Funktion ist offen; es gibt jedoch ebenerdig eine Tür und weit oben ein kleines Fenster. Während der Barock seine Himmelsgewölbe mit Engeln bestückte, gemahnt ein Fenster in luftiger Höhe heute eher an Video-Überwachung. Doch der Basler Architekt, Objektkünstler und Filmer spielt nicht das eine gegen das andere aus, er verführt vielmehr mit einer Vielzahl von narrativen Elementen. Denn die Zone hinter dem Chorgitter ist in Gebrauch - als Wohnung, Atelier und Ausstellungsraum. Heideggers Einheit von Bauen, Wohnen und Denken ist förmlich spürbar. Da sind Modelle utopischer Architekturen, Fotografien schwebender Dinge, aber auch ein ungemachtes Bett, Kaffeetassen, ein Schrank, ein Pult und manches mehr. Viele sind mit Denk-Zeichen versehen - die Uhr zeigt Momente und Monumente an. So mündet die private Zone in der Apsis in eine Installation mit einem Doppelbett. Wer es nutzt, sieht sich liegend unverhofft beschützt von gemalten Engeln und im Visier des ‹Auge Gottes› im Deckenrelief, das nun gleichsam zur «Video-Kamera» des Barocks wird.

Bis: 18.09.2011



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Ausgabe 9  2011
Ausstellungen Florian Graf [19.06.11-18.09.11]
Institutionen Fondation de l'Abbatiale [Bellelay/Schweiz]
Autor/in Annelise Zwez
Künstler/in Florian Graf
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