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Hinweis
9.2011




Rapperswil : Michel Grillet


von: Gabrielle Boller

  


Die Bergketten, die sich auf den Tuschezeichnungen Michel Grillets vor einem unbestimmten Horizont überlagern, sind von einer schwebenden Leichtigkeit. In Abstufungen von Grautönen schieben sich dunklere Silhouetten vor transparente Gipfel, die in der Ferne zu verblassen scheinen. Das miniaturhafte Panoramaformat suggeriert eine endlose, lichte Landschaft und vermeidet gleichzeitig die Festlegung auf eine bestimmte Sichtweise. Denn vielmehr als einem realen Gebirgszug ähneln die fliessenden Linien und Farbflächen einer Idee von Berg, sind in ihrer archetypischen Anmutung geronnene Bilder der Erinnerung im Fluss der Zeit.
Seit 30 Jahren beschränkt sich Grillet in seinen kleinmeisterlichen Aquarellen und Tuschezeichnungen auf ein reduziertes Vokabular, malt Himmel und Berge, Wasser und Sterne, destilliert die Essenz aus der Landschaft, um die so gewonnenen Elemente in einen kontinuierlichen Dialog zueinander zu setzen. Er schafft sich damit bewusst einen klaren Rahmen, um konzentriert und ungestört von den Behelligungen illusionistischer Details Fragen des Malerischen, der Landschaft, des Bildes und Abbildes auszuloten. Grillet malt aus dem Gedächtnis, die erinnerten Berge werden auf den Bildern zu rein malerischen Ereignissen, die unmittelbar deutlich machen, dass ein Bild als Kombination von Farben auf Fläche in seiner ganz anderen Realität dem Repräsentierten ohnehin immer nur sehr bedingt ähnlich sein kann. In ihrer Beschränkung auf das Wesentliche und ruhigen, zeitlosen Präsenz lassen die Landschaften, aus der Kontingenz der Welt herausgelöst, das hinter der zufälligen Erscheinung Liegende sichtbar werden. Widerständig gegen das omnipräsente Bildrauschen dieser Tage zeigt sich Grillet auch in seiner poetischen kleinen Hommage an Nam June Paik im Video-Kabinett des Kunst(Zeug)Hauses: Nicht in ein flimmerndes TV-Gerät blickt da der Buddha, sondern kontemplativ auf ein Aquarellnäpfchen, auf dessen solidem Farbblock ein paar hingetupfte Punkte den Sternenhimmel evozieren. Und so gerät die Malerei auf dem Objekt aus dem Aquarellkasten ganz nonchalant zum Hinweis darauf, dass Farbe immer auch - oder in erster Linie - Materie ist.

Bis: 25.09.2011



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Ausgabe 9  2011
Ausstellungen Michel Grillet [03.07.11-25.09.11]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Gabrielle Boller
Künstler/in Michel Grillet
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