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Hinweis
9.2011




Scuol : Resonanzen


  
links: Ralph Hauswirth · vor Anker gehen, 2011, Seile, Holz, Takellage, Installation Nairs
rechts: Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger · living color, 2011. Foto: Marcel Baumgartner.


Kunst wird immer auch vom Ort ihres Entstehens geprägt. Das trifft ganz besonders auf das Kulturzentrum Nairs im Unterengadin zu. In der Ausstellung ‹Resonanzen› beziehen sich die Künstler/innen explizit auf diese ausserordentliche Stätte und ihre Umgebung. Alle sieben Künstlerpaare kennen Nairs als Stipendiaten aus eigenem Erleben. Die gezeigten Arbeiten sind ebenso eine Resonanz auf den Ort als solchen wie auf ihre eigene daraus resultierende künstlerische Entwicklung. Der Eingangsbereich ist im weitesten Sinn der Raum der Zeichnung. Hier hat Isabelle Krieg die Spuren ihrer Lebens-Performance, ‹ich erzähle ihnen mein Leben›, in damals 14'520 Bleistiftstrichen an der Wand festgehalten. Ein Mobile in der Raummitte aus Schwemmhölzern vom nahen Inn nimmt Bezug auf den Ort. Eine grosse architektonische Zeichnung mit Filzstift von Gertrud Genhart - auch diese eine Reminiszenz an das alte Kurhaus - zieht sich über zwei Wände vom Boden bis zur Decke.
Was 1986 in zwei Glaskästchen mit auskristallisiertem Wasser der alten Trinkhalle begann, haben Jörg Lenzlinger und Gerda Steiner in neuen farbigen Kristallarbeiten weitergeführt, in denen das Wachsen, die Veränderung in Form und Farbe zu bizarren Verästelungen führt. Patrizia Karda hat eine gewaltige Installation gebaut, mit der sie über eine Fotografie, ergänzt durch den mächtigen Holzrahmen einer Tür, den Blick in die Erinnerung stimuliert. Pascal Lampert bezieht sich auf historische Gemälde, etwa auf Ansichten aus vergangener Badekultur, die er grossflächig als Aquarelle verändert, übermalt und akustisch mit dem Geräusch des tropfenden Wassers in der Trinkhalle ergänzt.
Im Estrich erwartet den Besucher Technik, Suggestion, Performance, Theater: Ein Figurenpaar ‹Ich und Du› - zwei menschliche Gestalten im Gespräch miteinander, die gleichzeitig das Publikum mit ortsbezogenen Fragen in ihren Dialog mit einbeziehen. Die Idee wurde einst in Nairs geboren. Magdalena Kunz und Daniel Glaser stellen sich selbst dar, ihre eigenen Gesichtszüge sind auf tönerne Gesichter gebeamt, ihre Mimik scheint absolut echt. Man ist irritiert, lauscht der Unterhaltung, ist Zuhörer und wird gleichzeitig zum Mitreden aufgefordert. Ralph Hauswirth spannt rote Schnüre im Estrich und führt diese über die ganze Breite des Gebäudes wie ein Segel zum engen Dachfenster hinaus. Er verbindet Innen und Aussen, suggeriert Bewegung und erweitert den Raum mit poetischen und technischen Mitteln zugleich.

Bis: 11.09.2011



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Ausgabe 9  2011
Ausstellungen Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Glaser/Kunz, Isabelle Krieg [19.06.11-11.09.11]
Institutionen NAIRS Zentrum für Gegenwartskunst [Scuol-Nairs/Schweiz]
Künstler/in Steiner/Lenzlinger
Künstler/in Isabelle Krieg
Künstler/in Glaser/Kunz
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