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9.2011




St. Gallen : Blinky Palermo


von: Sabine Elsa Müller

  
links: Blinky Palermo · Blau auf Grün, 1965, Kat. 4 Moeller 21
rechts: Blinky Palermo als Barkeeper im Creamcheese, Düsseldorf, 1969. Foto: Gerhard Richter


Vor allem über seinen Umgang mit der Farbe präsentiert die Ausstellung Blinky Palermo (1943-1977) als Künstler, der so radikal wie kein anderer vor ihm die heute längst kanonisierte Abhängigkeit von Bild und ausserbildlicher Realität reflektiert hat. Nicht nur der exquisiten Auswahl von rund 60 Exponaten ist es zu verdanken, dass sich der Rundgang zu einem wahren Augenschmaus entwickelt. Palermo war bekannt für sein unfehlbares Auge und seine Kompromisslosigkeit in Fragen der Hängung. Der Kurator und ausgewiesene Palermo-Exeget Erich Franz hat in der ersten Station der Ausstellung, im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, die Fragilität der räumlichen Bezüge wirklich ernst genommen, um die meist kleinformatigen Arbeiten auf Papier, Bildobjekte und Alutafeln zur Entfaltung zu bringen.
Schon bei der frühesten Arbeit, einer mit Nessel überzogenen und bemalten Holzlatte aus dem Jahr 1964, werden die Zusammenhänge zwischen der Malerei und dem Bildträger, der Wand und dem gesamten Raum thematisiert. Die Holzlatte ist als Bild viel zu schmal, aber die Malerei zu raffiniert und spannungsgeladen, um als banaler Anstrich durchzugehen. Die angeschnittenen Spiralformen sprengen förmlich den verknappten Bildraum und beziehen die Wand als Projektionsfläche mit ein - ein neongrünes Kreuz auf dem schmalen Bildträger zoomt die Aufmerksamkeit wieder nah heran.
Dieses Wechselspiel zwischen Nah- und Fernsicht verlangt dem Betrachter einiges ab. Palermo legt sich nicht fest. Er spielt mit den verschiedenen Aggregatzuständen der Farbe. Einmal erscheint sie wie hingehaucht, dann wieder undurchdringlich und körperlich. Bei einem frühen ‹Blau auf Grün› wird die gleichmässig aufgetragene ‹Objektfarbe›, ein helles Grün, mit raschen Pinselschwüngen in dünnflüssiger, blauer Ölfarbe förmlich angeheizt, in heftige Unruhe versetzt und vertieft. Andererseits aktiviert er die Vitalität der Farbe durch mehrschichtige Verdichtungen wie in einer nur 23 x 17 cm grossen Arbeit mit Kaseinfarbe und Bleistift auf Pappkarton. Das mittig gesetzte rote Quadrat mit verschwimmenden Kontur und den abgerundeten Ecken ist so prägnant wie nicht fixierbar - es scheint zu schweben. Zuletzt sollte die Farbe nur noch eine ganz lose Verbindung zum Bildträger unterhalten. Mit der grosszügigen Präsentation der meist als Paarung oder Reihung konzipierten, unendlich freien Werke der letzten Schaffensjahre leistet sich die Ausstellung einen furiosen Schlussakkord.

Bis: 25.09.2011



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Ausgabe 9  2011
Ausstellungen Palermo [28.05.11-25.09.11]
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Sabine Elsa Müller
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