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Hinweis
9.2011




Zürich : Connect. Kunst zwischen Medien und Wirklichkeit


von: Thomas Schlup

  
links: Stefan Baltensperger · baltensperger.dyingpixels, 2011, Multimedia Installation
rechts: Anja Kaufmann, Roman Häfeli · RadioSolarKompass, 2005/2011, Illustrationen, Webseite, Software, Internetradios


Mit der Ausstellung werden eine Auswahl von den im Rahmen von ‹Sitemapping› vom Bundesamt für Kultur geförderten Medienkunstwerken präsentiert. Moderne Technologien öffnen Fenster, nicht nur auf Bildschirmen, und übernehmen zunehmend die Funktion des Dorfbrunnens. Wir tratschen elektronisch. Aber wird uns dadurch auch der Horizont geöffnet? Und wo verwischen sich die Grenzen der Wahrnehmung? Die Kuratorinnen Anke Hoffmann und Yvonne Volkart suchten in der Auswahl der 13 teils interaktiven Werke nach Ungleichheiten und Widersprüchlichkeiten in der Welt der «neuen Medien», die von Kunstschaffenden untersucht und thematisiert werden. Während sich früher unsere Identität vielfach über dicke Fotoalben mit eingeklebten Bildern verfolgen liess, hinterlassen wir heute eine digitale Spur oder landen als Dokument in einem vergessenen E-Mail-Folder.
Die mediale (Über-)Sättigung kann zur Reizüberflutung führen, wie sie bespielsweise Esther Hunziker in ihrer interaktiven Installation ‹Dump› aufgreift. Auf zwei über Eck platzierten Screens wird mit auswählbaren wechselnden Szenen eine wahre Sturzflut an Informationen generiert. Einen anderen Ansatz wählt Stefan Baltensperger, der seine in Schweizerdeutsch entwickelte und mit Ölpastellkreide analog auf Leinwand übertragene Programmiersprache dazu benutzt, alle 15 Minuten ein Pixel auf seinem digitalen Selbstporträt zu löschen. Zu einer audiophilen Weltreise laden Anja Kaufmann und Roman Haefeli mit ‹RadioSolarKompass› ein, indem über das Internet Radiostationen von Orten aufgeschaltet werden, an denen gerade die Sonne aufgeht.
Verschiedene Werke greifen auch die Begriffe «Freiheit im Internet» und Beschränkung derselben auf. Und im vordergründig ruhigen ‹C.Scapes› porträtiert Maia Gusberti einen für Filmaufnahmen verbotenen öffentlichen Raum sozusagen von aussen. Es lohnt sich, genügend Zeit für die Betrachtung der auch historisch spannenden, aber nicht immer auf den ersten Blick lesbaren Werke einzuplanen.
Im Zuge der Veränderungen in der Schweizer Kulturpolitik geht auch für das BAK eine Ära zu Ende. Es ist das Abschlussjahr des heute durch Aurelia Müller betreuten Programms ‹Sitemapping›, mit dem seit 2003 die digitale Medienkunst als spezifische Kunstkategorie gefördert worden ist.

Bis: 09.11.2011



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Ausgabe 9  2011
Ausstellungen Connect [14.07.11-11.09.11]
Institutionen Shedhalle [Zürich/Schweiz]
Autor/in Thomas Schlup
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