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Hinweis
9.2011




Zürich : Franz Gertsch


von: Hans-Dieter Fronz

  
Franz Gertsch · Winter, 2009 (Detail), Acryl auf ungrundierter Leinwand, 325 x 480 cm


Gut 15 Quadratmeter misst jedes der vier Gemälde des ‹Vier Jahreszeiten-Zyklus› von Franz Gertsch (*1930); an jedem arbeitete der Künstler rund ein Jahr lang. Auch die Holzschnitte sind von ähnlichen Dimensionen und dürfen kaum weniger Zeit beansprucht haben als jene, wie deutlich wird, wenn man nah an die Blätter herantritt: Die Motive - Gesichter und Landschaften - lösen sich in Sternennebel aus winzigen weissen Punkten auf, Pixel einer prädigitalen Zeit.
Kunst als in Bildern und Grafiken geronnene Lebenszeit: Wie in Gertschs Werk Lebenszeit einfliesst, ist die zerrinnende Zeit sein zentrales Thema. Das in jeder Hinsicht überwältigende Holzschnitt-Triptychon ‹Schwarzwasser›, 1991/92 (drei Platten, je 237 x 185 cm) macht in der Darstellung eines einzigen, träumerischen Moments - einer bewegten Wasseroberfläche mit sich konzentrisch ausbreitenden Kreisen - die Flüchtigkeit des Augenblicks zum Thema. Und auch die Serien gemalter Bildnisse lassen im Altern der porträtierten Personen die Vergänglichkeit der Zeit anschaulich werden. Was demgegenüber Dauer und somit Kontinuität und Identität im Fluss der Zeit verbürgt, ist neben Goethes «geprägter Form, die lebend sich entwickelt», die Kunst selbst. So treten wir bei ‹Johanna I›, 1984, einer Sphinx gegenüber, dem offenbaren Geheimnis und Rätsel des Daseins selbst.

Bis: 18.09.2011



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Ausgabe 9  2011
Ausstellungen Franz Gertsch. Jahreszeiten (Werke 1983-2011) [10.06.11-18.09.11]
Institutionen Kunsthaus Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Franz Gertsch
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