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Besprechung
10.2011


Cynthia Krell :  Ana Roldáns aktuelle Werke im Kunsthaus Langenthal bewegen sich zwischen Spuren der kulturellen Identität und Referenzen der mexikanischen Moderne. Ausgehend davon entstehen Arbeiten, die aufgrund ihrer konzeptuellen Stringenz und formalen Reduktion überzeugen.


Langenthal : Ana Roldán, ‹Blank Back Mirror›


  
Ana Roldán · Lacking the Real, 2011, Spiegel; im Hintergrund: Primitive Arrangement with Gold Leave, 2010/2011, Kokosnüsse, Blattgold. Foto: Beatrice Geistlich


Aus dem schwarzen Hintergrund tritt ein bizarrer Steinkopf mit einem aufgerissenen Mund, starr glotzenden Augen, einem zu gross geratenen Ohr und einer runden Loch-Nase hervor. Stellen wir uns so den Tod vor? Für die 14-teilige Arbeit ‹Displacements›, 2011, hat die in Zürich lebende Künstlerin Ana Roldán (*1977) Abbildungen aztekischer Steinskulpturen von Todesdarstellungen digital bearbeitet. Die vor einem schwarzen Hintergrund erscheinenden Totenköpfe und Figuren wurden variantenreich dekonstruiert und in ein quadratisches Format gepresst. Zu sehen ist diese Serie in der Doppelausstellung, die parallel Werke von Alicja Kwade (*1979) präsentiert. Obwohl die Arbeiten der beiden Künstlerinnen räumlich nicht aufeinander treffen, ergeben sich durch Blickachsen immer wieder dialogische Momente.
Ana Roldán führt in der Ausstellung etliche Werke aus den letzten Jahren mit neu produzierten Arbeiten zusammen. In der Arbeit ‹Mexican Flag 1-3 (red)›, 2010, verliert die mexikanische Fahne ihre symbolische Bedeutung, wirkt aufgrund ihrer formalen Struktur und ausschliesslich roten Farbfläche vielmehr wie ein Kunstobjekt. Verstärkt wird die Aussagekraft der Farbe im Dialog mit der Arbeit ‹The prophet (Jean-Claude Trichet)›, 2011, ein digital bearbeitetes wandfüllendes Porträt aus der Zeitung. Dort blickt der Chef der Europäischen Zentralbank scheinbar prophetisch in ein schwarzes Loch.
Roldáns Arbeitsweise der formalen Reduktion, konzeptuellen Transformation und des kulturgeschichtlichen Rückgriffs wird in der Ausstellung immer wieder deutlich. So verweist das modern anmutende Neonlichtobjekt ‹Noon›, 2011, auf das über 3'000 Jahre alte, unter mittelamerikanischen Völkern verbreitete Ballspiel ‹Ulama›. Dabei reduziert sie die Ornamentik des ursprünglich runden Tores und verwendet ein Medium aus der Minimal Art. Mit den mittelformatigen Papierarbeiten ‹Illustration of Mascara I-III, 1924, und Germán Cueto›, 2011, wendet sich Ana Roldán einer fast vergessenen Persönlichkeit aus der mexikanischen Kulturgeschichte zu. Die Buntstiftzeichnungen zeigen Skulpturen des Bildhauers Germán Cueto (1883-1975), der als ein Repräsentant der Moderne gilt. Da die Zeichnungen von einer wissenschaftlichen Illustratorin angefertigt worden sind, fehlt ihnen der unmittelbare Gestus - die Lebendigkeit des künstlerischen Originals ist dennoch spürbar und lädt uns dazu ein, in das fein gesponnene Netz der Künstlerin einzutauchen.

Bis: 13.11.2011



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Ausgabe 10  2011
Ausstellungen Alicja Kwade, Ana Roldán [01.09.11-13.11.11]
Institutionen Kunsthaus Langenthal [Langenthal/Schweiz]
Autor/in Cynthia Krell
Künstler/in Ana Roldán
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