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Besprechung
10.2011


Niklaus Oberholzer :  ‹Innerschweizer Innerlichkeit›: War alles nur ein Mythos oder spielte Luzern tatsächlich eine Pionierrolle in der Kunst der späten Siebzigerjahre? ‹Tandem›, ein Projekt des Schweizerischen Kunstvereins, der Hochschule Luzern Design & Kunst und von vier kleinen Kunsthäusern, geht den Fragen nach.


Luzern : ‹Tandem›, Innerschweizer Innerlichkeit?


  
links: Eveline Blum · Wurmhaufeninstallation, 2011, Hartgips und Tonschlicker © ProLitteris. Foto: Daniel Reinhard
rechts: Jürgen Brodwolf · Bandagierung, 1981. Foto: Georg Anderhub


Der Begriff ‹Innerschweizer Innerlichkeit› wurde weder von J.-Ch. Ammann geprägt, Direktor des Kunstmuseums Luzern von 1969 bis 1977, noch von Theo Kneubühler, damals kritischer Begleiter der jungen Künstler. Vielleicht fiel der Begriff -
unter Patenschaft der ‹Individuellen Mythologien› der documenta 5, 1972 - vom Himmel und war bald in aller Mund. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Ammann und das Luzerner Museum generierten zwar ein anregendes und lebendiges Kunstklima, doch weder lässt sich eine einheitliche Innerschweizer Kunst ausmachen noch eine Innerlichkeit, die spezifisch innerschweizerisch wäre. Nebenbei: Die damalige Pionierzeit ging keineswegs nur auf Ammanns Konto, auch viele andere waren beteiligt - Galerien beispielsweise oder die Kunstgewerbeschule und ihre Lehrer.
‹Tandem›, unter der Projektleitung von Esther Maria Jungo, will das Damals verklären. Vielmehr und glücklicherweise werfen die heutigen Kunstschaffenden einen teils auch kritischen Blick auf die damaligen Zeiten. Es geht also um die Gegenwart und, da es Studierende sind, auch um Wege in die Zukunft.
Das Museum Bruder Klaus in Sachseln lud junge Kunstschaffende ein, sich mit eigenen Arbeiten zu Werken von damals (Jürgen Brodwolf, Stephan Wittmer, Paul Stöckli, Hugo Schumacher, Anton Egloff, Ilse Weber) zu äussern. Dass nicht alles gleich schlüssig ist, liegt in der Natur der Sache. Spannend ist das Generationenübergreifende allemal.
In Stans sind skurrile und liebenswerte Radierungen von Hans Rudolf Ambauen aus den Sechziger- bis Achtzigerjahren zu sehen. Erinnert wird ferner an seinen abstrusen, mit Korruptionsvorwürfen gespickten ‹Stammbaum Schweiz. Kunstmafia› von 1982. Daran knüpft - unpolemisch und offen - Katrin Keller an. Sie zeigt die Installation ‹Netzwerke› mit sich der Wahrnehmung entziehenden Porträts von Kunstschaffenden und Vermittelnden. Der Erfrischungsraum in Luzern ist Mittelpunkt und informativer Dokumentationsraum von ‹Tandem›. Werke von Hans Peter von Ah, Rudolf Blättler, Godi Hirschi, Charles Moser, Leo Walz, Rolf Winnewisser und Irène Wydler sind authentische und schöne Belege fürs damalige Kunstgeschehen. In Altdorf begegnen junge Kunstschaffende Aldo Walker, in Sursee Hans Eigenheer, Charles Wyrsch, Irma Ineichen, Theo Kneubühler u.a.

Bis: 27.11.2011


Hochschule Luzern (Erfrischungsraum) und Nidwaldner Museum (Höfli), Stans, bis 30.10.; Museum Bruder Klaus, Sachseln und Sankturbanhof Sursee, bis 1.1.; Haus für Kunst Uri, Altdorf, bis 27.11. Katalog. Busfahrten zu den Ausstellungen



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Ausgabe 10  2011
Ausstellungen Tandem [24.09.11-01.01.12]
Institutionen Sankturbanhof Sursee [Sursee/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
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