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Hinweis
10.2011




Bonn / St.Gallen : Through the Looking Brain. Fotografie seit 1970


von: Katja Behrens

  
links: John Baldessari · Helicopter and Insects (one red), 1990, 2-teilig, Farbfotografie, Vinyl, je 122,4 x 164,4 cm, Unikat
rechts: Thomas Ruff · Ricola Mulhouse, 1994, C-Print, Diasec Face, 187 x 285 cm. © ProLitteris, Courtesy Mai 36, Zürich


Zwei grosse Ausstellungen in Bonn und St.Gallen bieten erstmals Einblick in die Fotosammlung der Zellweger Luwa AG, eine Firma der Zürcher Familie Bechtler. Diese zeigt in einer breiten Palette von Werken die Entwicklung der Fotografie seit den Siebzigerjahren und die Wechselwirkungen zwischen Epochen und künstlerischen Herangehensweisen. Mit Ed Ruschas ‹Gas Stations›, Bechers Typologien amerikanischer Wassertürme, Hans-Peter Feldmanns ‹Alle Kleider einer Frau› stehen frühe konzeptuelle Serien am Anfang eines Bilderreigens, der mit den überwältigenden 111 Blumenbildern von Fischli/Weiss, Filmstillfotos von Cindy Sherman und Cowboys von Richard Prince bis zu den grossen Bildern von Ruff, Gursky, Struth und Leuchtkästen von Jeff Wall wenige kanonische Positionen ausspart. Weder fehlen John Baldessari und Sigmar Polke (mit einem noch nie gezeigten pinkfarbenen ‹Urangestein›) noch Hiroshi Sugimoto oder Roni Horn. Eine schöne Überraschung sind Ken Lums Appropriations-Arbeiten nach Bildern aus Zeitschriften. Eine andere sind Ruedi Bechtlers eigene Fotografien und auch Steven Pippins Serie ‹Laundromat/Locomotion›, 1997, die nicht nur das Bullauge einer Waschmaschine als Objektiv benutzt, sondern die Aufnahmen des im Waschsalon nackt vorbeilaufenden Künstlers auch in der Maschine selbst entwickelt. Jean-Frédéric Schnyder nimmt 1999 mit ‹Zugerstrasse/Baarerstrasse› - vergleichbar mit Ed Ruscha - Gebäude entlang einer Strasse auf.
Gemeinsam mit Bice Curiger, Kuratorin am Kunsthaus Zürich und Direktorin der 54. Biennale d'Arte Venezia, führen Ruedi, Regula, Cristina und Thomas Bechtler die familiäre Tradition des Kunstengagements fort, die Hans und Walter Bechtler bereits in den Fünfzigerjahren begonnen hatten. Seit 1990 wird ausschliesslich Fotografie gekauft. Werkgruppen und Hauptwerke der Konzept- und Performancekunst der Sechziger- und Siebzigerjahre beleuchten das Verschwinden der Bildaura und «die Betonung der apparativen Dimension der Fotografie» oder die seriellen Zusammenhänge und selbstreferenziellen Bildkonzepte, die, wie etwa bei Sophie Calle und Valie Export, die Fotografie mit der Performancekunst verbinden. Sie untersuchen die postmodernen Bildaneignungen der Appropriation Art bei Sherrie Levine und Louise Lawler bis zur Wiederkehr des Bildes in den Neunzigerjahren sowie alle Mischformen, Verschränkungen und Anverwandlungen.

Bis: 29.01.2012


mit Katalog



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Ausgabe 10  2011
Ausstellungen Through the Looking Brain [15.10.11-22.01.12]
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Ausstellungen Through the Looking Brain [23.06.11-25.09.11]
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Institutionen Kunstmuseum Bonn [Bonn/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
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