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10.2011




Koblenz : Land-Art: Die letzte Freiheit


von: Anne-Kathrin Auel

  
links: Agnes Denes · Tree Mountain, (Doppelaufnahme), A Living Time Capsule - 11,000 Trees, 11,000 people, 400 years, 1992-1996, Ylöjärvi, Finland, 420 x 270 x 28 m, 1983, Fotografie (3 tlg), 65 x 94,5 cm
rechts: Nancy Holt · Sun Tunnels, Great Bassin Dessert, Utah, Gesamtlänge: 26,21 m, Tunnellänge: 5,48 m, 1973-76, Fotografie (5 tlg) 76 x 114 cm, 2 je 58 x 85 cm, 2 je 58 x 58 cm © ProLitteris


In der Nähe von Freiheitsstatue und World Trade Center pflanzte die Ungarin Agnes Denes für ihr Werk ‹Wheatfield - A Confronta­tion›, 1982, Weizen. Entlang des Niagara-Flusses schuf Nancy Holt kreisrunde Becken, in deren Wasseroberfläche sich der Himmel spiegelt. In der Wüste konzentrieren ihre ‹Sun Tunnels›, 1973-1976, den Blick, während das ins Innere der Betonröhren eindringende Licht Sternkonstellationen abbildet. Die von Hamish Fulton im Wandgemälde gleichen Titels getroffene Aussage ‹This is not Landart›, 2007, lässt sich auf die beiden auf Pekings Strassen gedrehten Videos von Ai Weiwei übertragen, auch wenn es von diesem Künstler im Sinne des Themas durchaus passendere Werke gegeben hätte. Ebenfalls in einer Metropole entstand die als Video-Triptychon präsentierte Arbeit von Andy Goldsworthy. Ähnlich dem Projekt von Agnes Denes geht es hier um das Zusammentreffen von Stadt und Natur, sichtbar gemacht durch den künstlerischen Eingriff: Goldsworthy liegt auf New Yorks Bürgersteigen und lässt sich so lange nass regnen, bis sich der von seinem Körper bedeckte Fleck optisch von dem vom Wasser dunkel gefärbten Asphalt abhebt.
Unter dem Schlagwort Land-Art ist vieles entstanden, und im Ludwig Museum in Koblenz führt ‹Die letzte Freiheit›, wie der Untertitel ‹Von den Pionieren der Land-Art der Sechzigerjahre bis zur Natur im Cyberspace› verrät, dem Betrachter das weite Spektrum vor. Die Auswahl der Projekte erfolgte allerdings nicht im Sinne einer Präsentation, in der die Werke sich entfalten können. Weder war sie streng genug noch die Platzierung der Objekte und Dokumente stringent. Die Zeugnisse der Land-Art finden sich wie in einer Ahnengalerie dicht gedrängt an den Museumswänden wieder, deren Kaschierungen zum Teil nicht ordentlich vorgenommen wurden, womit sie die Vitalität einbüssen, die viele Projekte noch in ihrer Dokumentation transportieren. So ist dem Beitrag von Jan Dibbets nur eine kleine Ecke zugedacht, die zudem vom Hinweis auf den Feuerlöscher und das Stromkabel einer anderen Arbeit dominiert wird. Hans Haackes mäandernde Installation ‹Zirkulation›, 1969, durch deren Plastikschläuche Luft und Wasser fliesst, wurde dem linearen Kontrast des Fliesenbodens ausgesetzt. Dennoch: die Schau liefert einen dichten Überblick und stellt im Rahmen einer Bundesgartenschau eine geglückte, jenseits allen floralen Kitschs getroffene Themenwahl dar. Gelungen ist auch der von Direktorin Beate Reifenscheid herausgegebene Katalog.

Bis: 16.10.2011


Katalog, Silvana Editoriale



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Ausgabe 10  2011
Ausstellungen Die letzte Freiheit [15.04.11-16.10.11]
Institutionen Ludwig Museum Deutschherrenhaus [Koblenz/Deutschland]
Autor/in Anne-Kathrin Auel
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