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Hinweis
10.2011




Kreuzlingen : Peter Aerschmann


  
links: Peter Aerschmann · Urban Diamonds, 2011, Videostill
rechts: Peter Aerschmann · Ausstellungsansicht, 2011


‹Das Leben selbst› betitelt Peter Aerschmann (*1969, Fribourg) seine aktuelle Schau im Tiefparterre im Kunstraum Kreuzlingen. Das Leben selbst?
Was das bedeuten könnte, erforscht der Berner Künstler in seinen Videos: Wie in einem Playmobil-Kabinett schieben sich Figuren und Gerätschaften ins Bild, sind in endlosen Schlaufen in einsame und kollektive Tätigkeiten verstrickt, schleppen Lasten, strampeln sich in Strassenkleidern an öffentlichen Turngeräten ab, ohne je zur Ruhe zu kommen. Wir sehen, was einem Vielreisenden im Alltag begegnet: Baustellen, Verkehrsströme, Strassenszenen, Landschaften...Einzelne Motive werden von Aerschmann freigestellt und synthetisch zu neuen Abläufen und Konstellationen zusammengefügt. So schweben beispielsweise in ‹From A to B› Menschen wie ausgeschnittene in ihren Tätigkeiten erstarrte Papierfiguren durchs ortlose Geschehen, während andere Protagonisten mittels kurzer filmischer Sequenzen eingefügt sind und unter flatternden Fahnen hindurch marschieren.
Aerschmann ist ein ebenso viel prämierter wie weit gereister Künstler. Sein Bildmaterial stammt aus zutiefst vertrauten wie aus ebenso entfernten Winkeln der Welt. Dies bezeugt beispielsweise sein Jahresprojekt ‹Babel› für die Website des Schweizer Kunstvereins, in welchem er immer wieder neue Bilder von Baustellen quer über den Globus aufschaltet. Die neueren im Tiefparterre gezeigten Arbeiten reflektieren die Erfahrungen seines Stipendienaufenthaltes in Südafrika, von dem er vor einigen Monaten zurückgekehrt ist. Lässt man die langsamen, beinahe meditativen Bilder auf sich wirken, so wird deutlich, dass sie keineswegs das Leben selbst zeigen. Vielmehr machen sie die Sollbruchstellen deutlich, die feine Membran, zwischen der vor unseren Augen abrollenden Wirklichkeit und dem Moment der eigenen Anteilnahme, des emotionalen Einklinkens, das diese gläserne Wand zum Zerspringen bringt. Gleichzeitig wird deutlich, dass das individuelle Erleben im Dazwischen liegt, in der Art und Weise, wie wir diese banalen, austauschbaren Bilder und Requisiten zu einer persönlichen Geschichte zusammenfügen, das Schwebende konkret werden lassen und diesen lose getakteten Bilderfluss zusammenfügen.


Bis: 23.10.2011



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Ausgabe 10  2011
Ausstellungen Peter Aerschmann, Jannis Marwitz, Christian Rothmaler, Philipp Schwalb [10.09.11-23.10.11]
Institutionen Kunstraum [Kreuzlingen/Schweiz]
Künstler/in Peter Aerschmann
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