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Hinweis
10.2011




Olten : Werner von Mutzenbecher, Irma Ineichen


von: Annelise Zwez

  
links: Irma Ineichen · Hell im Durchblick, 2007, Öl auf Leinwand, 81 x 60 cm
rechts: Werner von Mutzenbecher · Toth und Nefertari, 2010, Acryl und Dispersion auf Baumwolle, 130 x 130 cm


Mit der Doppel-Schau des Baslers Werner von Mutzenbecher (*1937) und der Luzernerin Irma Ineichen (*1929) verabschiedet sich Patricia Nussbaum nach zehn Jahren vom Kunstmuseum. Mit Ausstellungen abseits des Mainstreams gab sie dem Haus Profil. Mit Mutzenbecher und Ineichen bringt sie zwei über Jahrzehnte gewachsene Werke in Dialog. Während jedoch Ineichens Malerei einen Prozess der Vereinfachung und Konzentration spiegelt, haben Mutzenbechers geometrisch-gegenständliche Grossformate in den letzten fünf Jahren gleichsam zu tanzen begonnen. Eine überraschende Wechselwirkung findet sich in der postmodernen Methode der Aneignung und Neu-Interpretation von Werken alter Meister: Was für Mutzenbecher Maler wie Hishikawa Moronobu (Japan, 17. Jh.), altägyptische Fresken, aber auch Cranach, Dürer und Goya sind, bedeuten Irma Ineichen die Bilder von Carpaccio, Van der Weyden und Munch. Während ihn jedoch das lineare «Skelett» figürlicher Darstellungen interessiert, lässt sie sich von den Atmosphären der Aus- und Einblick gewährenden, räumlichen Konzeptionen faszinieren. Bei beiden spielen formale und farbliche Momente eine wichtige Rolle, und beide streben gleichzeitig eine metaphorische Aufladung der Motive an.
Wenn Mutzenbecher eine japanische Kurtisane nach Masanobu aus dem Kontext löst und die schwarz-weisse Umrisszeichnung einem Hohlkörper gleich mit roter Farbe umgibt, so setzt er sie in Bewegung, nimmt ihr sowohl ihre Stofflichkeit wie ihre kulturelle und zeitliche Zugehörigkeit. Oder wenn er ein Fresko von Toth (der Gott des Wissens) und Nofretete wählt, so interessiert ihn gleichzeitig die Kombination der beiden Figuren wie deren Abstraktion, die er durch ein Luftgehäuse in den Farben Rot, Blau, Gelb unterstreicht.
Ineichen hingegen ignoriert die Figuren und setzt, bei Carpaccios Ursula-Zyklus, ganz auf die Evokation der Heiligen-Geschichte durch die nahezu geometrischen Farbformen. Dasselbe gilt für das Thema Japan, das bei ihr nicht erzählerisch, sondern in Form lufterfüllter Lichträume erscheint. Interessant ist, dass beide eine Rückbindung an frühe Themen suchen. Bei Ineichen wird die An- und Abwesenheit im Raum durch Themen und Zeiten hindurch zum zentralen Fokus. Bei Mutzenbecher bricht die Erfahrung des Experimentalfilmers nun indirekt auch in die Malerei durch.

Bis: 13.11.2011


Werner von Mutzenbecher, Galerie Gisèle Linder, Basel, bis 22.10.
Irma Ineichen, Sankturbanhof Sursee, ‹Tandem›, bis 1.1.



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Ausgabe 10  2011
Ausstellungen Werner von Mutzenbecher [02.09.11-22.10.11]
Ausstellungen Irma Ineichen, Werner von Mutzenbecher [04.09.11-13.11.11]
Institutionen Gisèle Linder [Basel/Schweiz]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Institutionen Sankturbanhof Sursee [Sursee/Schweiz]
Autor/in Annelise Zwez
Künstler/in Werner von Mutzenbecher
Künstler/in Irma Ineichen
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