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Besprechung
11.2011


Brita Polzer :  Zum Wettbewerb für die Arbeit im Stadtpark Hardau wurden ausschliesslich Kunstschaffende aus Osteuropa eingeladen. Denn im Quartier leben viele östliche Immigrant/innen und man hofft, dass diese sich so mit der Kunst eher identifizieren können. Gewonnen hat der Kosovare Sisley Xhafa.


Zürich : Sisley Xhafa - Mahnmal und Schaukel


  
Sisley Xhafa · Y, 2011. Foto: Ben Allen


Es sei stets eine besondere Freude, ein Kunstwerk zu eröffnen, sagt die Stadträtin Ruth Genner. Das Quartier könne neben den vier Hardau-Türmen nun ein weiteres Wahrzeichen aufweisen und die Stadt habe insgesamt mittlerweile 180 Millionen in diesen seit je von vielen Migranten bewohnten Stadtteil investiert. Tatsächlich ist die Umgebung der in den Siebzigerjahren erbauten und vor einigen Jahren sanierten Hardau-Hochhäuser kaum wiederzuerkennen. Ein neues Schulhaus strahlt Energie und architektonisch städtische Zuwendung aus, eine Wohnüberbauung -
unten mit einem migros versehen - schliesst das Geviert ab, das nun den neuen Stadtpark Hardau bildet. Mittendrin steht die an ein Y (why) oder an eine Schleuder erinnernde Skulptur von Sisley Xhafa (*1970, Peja). Straff und fordernd erhebt sie sich gen Himmel, als hätte sich der Kampf Davids gegen Goliath in einem monumentalen Zeichen materialisiert. Das kämpferische Begehren wird aber nach unten zurückgebunden, indem die Skulptur zugleich Schaukel ist - die aggressive Geste wird in einer Art grosse Wiege mit endlosen Haltebändern aufgefangen.
Der in New York lebende Xhafa thematisiert in seinen Installationen, Objekten und Perfomances «autoritäre Strukturen, Immigration und Illegalität. Ausgehend von seinem biographischen Hintergrund weist er auf politische und wirtschaftliche Missstände in unserer Gesellschaft hin», heisst es auf der Website des Zürcher Instituts für Gegenwartskunst, das für dieses Kunstwerk verantwortlich zeichnet. Xhafas Aktionen seien unbequeme Einmischungen in ein westeuropäisches Selbstverständnis, das noch immer Vorurteile und subtile Ausgrenzungen gegenüber dem Fremden zeige. Christoph Schenker - Leiter des Instituts - führt aus, dass die Arbeit ein Sinnbild für Transformationen sei, ein Mahnmal, das auch diejenigen, die «mit Beharrlichkeit im Wohlstand schaukeln» an die Gewalttätigkeiten, die mit Krieg und Migrationen einhergehen, erinnert. Kaum sind die Reden beendet, belagern die Kinder die grosse Schaukel und rangeln wild um einen Platz. Man hört Lachen aber auch enttäuschtes Weinen, weil nicht alle zum Ziel gelangen. Wenige Tage nach der Eröffnung war das ‹Y› schon beschädigt und wurde abgesperrt. Die zuständige Fachstelle wird aber sicher eine Lösung finden und die Hardau kann sich über das eigensinnige, nachts leuch­tende Mahnmal freuen.



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Ausgabe 11  2011
Autor/in Brita Polzer
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