Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
11.2011


 Das Leben ist schillernd und fragil - und vor allem kurz. Das belegt, sehr anschaulich, das Züricher Künstlerduo huber.huber in seinem Vier-Minuten-Filmchen ‹Non-REM›: Stundenlang haben die 36-jährigen Zwillingsbrüder dafür die Spiegelung der Zürcher City an der Oberfläche einer Seifenblase gefilmt.


Zürich : huber.huber, ‹Break on Through to the Other Side›


  
huber.huber · Human-Made (Butterfly Crystal), 2011, Dreifachhybrid-Schmetterling (Japan) auf gezüchtetem Alaun-Kristall, Crystal Rotary Slide Show, Glashaube


Das Resultat der filmischen Recherche ‹Non-REM› von huber.huber ist ein Kürzest-Spektakel mit fischäugig gekrümmter Stadtkulisse, über die eine pastellene Wolkendecke hinwegzieht - ein treffendes Gleichnis für das kurze uns beschiedene Zeitfenster hienieden. Dass wir das hübsche Memento mori überhaupt zu sehen bekommen, verdankt sich nicht zuletzt Kathleen Bühler. Die Berner Kuratorin hat das 2004 entstandene und bisher nie öffentlich gezeigte Werk zur leisen, aber höchst stimmigen Ouverture der von ihr choreografierten Soloschau der Hubers im Zürcher ‹Dienstgebäude› gemacht. Ein wunderbarer Auftakt für das, was danach folgt - weil er all das bündelt, was die Kunst von huber.huber ausmacht: Vergänglichkeit und (Selbst-)Reflexion. Eine ausgeklügelte Ästhetik, geboren aus einer verblüffend simplen Bildsprache und angesiedelt irgendwo zwischen Märchenwelt und Gruselkabinett.
Mit der grundanarchischen Wahrnehmung eines Kindes, das der Welt prinzipiell staunend und mit wachem, entdeckungsfreudigem Geist begegnet, spüren huber.huber das Rohmaterial für ihre Kunst dort auf, wo man es nicht vermuten würde. Weil es zu offensichtlich auf der Hand liegt: Eben auf der Oberfläche einer Seifenblase, zum Beispiel. Oder im eigenen Estrich, den die Brüder gelegentlich nach totem Getier absuchen, um diesem dann in ihrem kunstvollen Mikrokosmos zu einer posthumen Karriere zu verhelfen. So platzierten sie für die Werkgruppe ‹Phoenix› vertrocknete Spatzenkadaver in buntglasigen Schaukästen, wo sie ausgestopften Artgenossen mit attraktiverem Gefieder als morbide Sitzunterlage dienen. Damit wird nicht nur das menschliche Schönheitsempfinden als reichlich simpel gestrickt entlarvt, sondern mit der Sterblichkeit auch eines der ältesten Themen der Kunst ins Spiel gebracht. Ein Spiel, sinnlich bezirzend und assoziativ stimulierend, aber keineswegs frei von jener instinkthaften Grausamkeit, wie sie bisweilen bei Kindern zu Tage tritt. Und auch ein Such- und Ratespiel, angesichts des systematischen Rückgriffs auf ein begrenztes Themenfeld: So finden sich etwa die Vögel auch in einigen der ausgestellten Collagen und Zeichnungen wieder.
Das hubersche Universum gleicht einem Blick durchs Kaleidoskop: Je nachdem, wie man es dreht, fügen sich seine Bestandteile zu immer neuen, überraschenden Bildern. Die Hubers, soviel ist sicher, haben den Dreh raus.

Bis: 05.11.2011


Paulina Szczesniak, Autorin Tages-Anzeiger Zürich und Preisträgerin des ‹R&R-Preis für Kunstjournalismus›. Der Preis ist gekoppelt an eine Veröffentlichung im Kunstbulletin (-KB 09/2011, S.92).
‹huber.huber Universen›, Ed. Patrick Frey, 2011



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2011
Ausstellungen huber.huber [29.09.11-05.11.11]
Institutionen Dienstgebäude [Zürich/Schweiz]
Künstler/in huber.huber
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=111021122634APB-17
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.