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Besprechung
11.2011


Yvonne Ziegler :  Wie etwas ausstellen, das nicht mehr da ist? Die israelische Künstlerin Yael Davids versucht in der Kunsthalle Basel, ihr Ringen um Präsenz der Stimme vor Publikum und ihre Fragen an Performances (Dokumentation, Notation, Repetition) sichtbar zu machen. Beeindruckend sind vor allem ihre Texte.


Basel : Yael Davids, ‹Ending with Glass›


  


Yael Davids' (*1968, Jerusalem) Ausstellung mutet karg an: einige Zeichnungen von hebenden Händen, zwei riesige Holzkisten mit geöffneten Deckeln, Glasscheiben, Platten, mehrere Texte, ein Video, Fotos und geflickte Tongefässe. Irgendwo hängt ein Seil von der Decke. Hinter diesen wenigen Setzungen verbirgt sich ein dichtes gedankliches Universum, das sich nach und nach anhand der Lektüre von Davids' Performancetexten (zum Mitnehmen) eröffnet. Auf der Ebene des Sehens dominieren formalistische Aspekte. So stehen die Kisten im ersten Saal senkrecht, während die durchsichtigen, schwarzen und weissen Platten gegen Ende der Ausstellung zunehmend geschichtet und waagerecht liegen. Vier kleine Glasplatten, in die der Grundriss der Objektpositionen einer Performance eingefräst ist, nehmen das Spiel von Vertikale und Horizontale auf. Gemälde von Mondrian, Malewitsch oder Moholy-Nagy klingen hier ebenso an wie Serras Stahlplastiken oder Rauschenbergs White Paintings. Hinzu kommt die gedankliche Ebene, in der es um körperliche Präsenz und Ausdrucksmöglichkeiten geht. Ein Video zeigt Hände, Füsse und Körper von Gefangenen, die Zaubertricks und Akrobatikpositionen erlernen. Im dazugehörenden Text erinnert Davids an den Entfesselungskünstler Houdini, die Überwindung von Schwerkraft und die Freiheit der Seele. Performancekünstler setzen sich der unmittelbaren Reaktion des Publikums aus. Und was sie tun, vergeht im Moment des Ausdrucks.
In der Performance ‹End on Mouth›, 2004, sprachen, sangen und musizierten drei Schauspieler und Musiker, die sich - unsichtbar - in den zwei Holzkisten befanden, welche von Statisten getragen wurden. Ein Foto, Zeichnungen von Händen und die bebilderte Partitur der mehrmals aufgeführten Performance dokumentieren die Arbeit. Die auf Papier aufgeklebten Buchstaben des selbst verfassten Textes ‹A line, a word, a sentence›, stehen für Davids' Ringen um eine eigene Stimme. Mit geschlossenen Augen reflektiert sie nun in ihrer neuesten Performance anhand weniger Requisiten über Imitation, Notation von Tanz im 18. Jahrhundert, sprechende Hände und Gesichter im Stummfilm, die Stimme in Oper und griechischer Mythologie etc. Hinzu treten andere Themen: die Ruinen eines palästinensischen Dorfes, kugelsicheres Panzerglas und aus Scherben zusammengesetzte Tongefässe.

Bis: 13.11.2011



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Ausgabe 11  2011
Ausstellungen Yael Davids [11.09.11-13.11.11]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Yael Davids
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