Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
11.2011




Biel : Arkhaiologia


  
links: Anne und Patrick Poirier · Mnemosyne, 1990 © ProLitteris
rechts: Simon Fujiwara · Frozen City, 2010, aus ‹Das Haus der Mäzenin›


Mit ‹Arkhaiologia› verabschiedet sich Dolores Denaro vom Centre PasquArt. Die Untersuchung zu archäologischen Methoden in der zeitgenössischen Kunst ist ihre zehnte Themenausstellung. Voraus gingen unter anderem ‹Helden heute›, ‹Branding› und ‹Genipulation›. Denaros Vorgehen ist auch bei ‹Arkhaiologia› (griechisch = Archäologie) nicht eine kritische Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema - hier der menschlichen Sehnsucht nach ur-geschichtlichem Wissen - sondern eine Plattform. Das den Leitgedanken mal spektakulär, mal rotzfrech, mal sehr persönlich und vereinzelt auch leise und poetisch aufgreifende Potpourri aus durchwegs bestehenden Arbeiten ist eher eine Publikumsausstellung als ein Meilenstein kunstgeschichtlicher oder gar philosophischer Forschung.
Gerne lässt man sich von Simon Fujiwaras ‹Frozen City› in Bann ziehen. Der Künstler (*1982) hat das kurz vor der Frieze Art 2010 unter dem Regent's Park in London «entdeckte» römische Künstler- und Liebesnest in die Salle Poma des PasquArt transferiert. Mit grossem Aufwand wurden der Marktplatz, das Haus der Mäzenin, das ‹House of Pleasure› als archäologische Nischen unter einen erhöhten Boden eingepasst. Der ebenso theatralischen wie bild-künstlerischen Fiktion wäre der Publikumspreis sicher, so es denn einen solchen gäbe.
Das Spektrum ist breit und nicht immer ganz schlüssig - das Verwenden von Knochenscheibchen macht noch keine Archäologie aus (Jan Fabre). Von thematischer Relevanz ist indes das raumgreifende ‹Mnemosyne›-Modell von Anne und Patrick Poirier, welches unser Hirn als antike «Stadt» mit bewussten und unbewussten Quartieren anlegt und damit die Archäologie mit der «Göttin der Erinnerung» verbindet. Die Arbeit bindet die Ausstellung mit Recht an die Spurensicherung der Siebzigerjahre an, welche auch für Arbeiten von Mark Dion, Daniel Richter/Jonathan Meese sowie Daniel Spoerri massgebend ist. Von Letzterem wird erstmals die von Archäologen als Lehrstück durchgeführte Ausgrabung seines 1983 nach einem Bankett vergrabenen ‹Tableau Piège› gezeigt.
Was Kunstschaffende ebenso fasziniert wie die Vergangenheit, ist die «Archäologie der Zukunft». Sehr schön zum Beispiel in den weich modulierten Alabaster-Reliefs von Béatrice Gysin, in denen sie gemäss einem Schriftband der Frage nachgeht, ob man sich, wenn das Weiss einst fehle, noch an die Stille fallenden Schnees erinnern werde.

Bis: 27.11.2011


Katalog: Verlag für moderne Kunst Nürnberg



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2011
Ausstellungen arkhaiologia [11.09.11-27.11.11]
Institutionen Kunsthaus Centre d'art Pasquart [Biel/Bienne/Schweiz]
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=111021135332VVM-24
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.