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11.2011




Salzburg : Alpen


von: Karlheinz Pichler

  
links: Gregor Sailer · Hafelekar bei Innsbruck, Karwendelgebirge, 2334 m, aus der Serie Ladiz alpen, 2007
rechts: Jules Spinatsch · Snow Management, Scene 51, 2006, C-Print auf Dibond 100/163 cm, Courtesy Galerie Luciano Fasciati, Chur


In den vergangenen Jahren rückte das Thema Berg und Alpen in konsequenter Regelmässigkeit ins Zentrum thematischer Ausstellungen. Mit ‹Alpen. Sehnsucht & Bühne› fügt die Residenzgalerie Salzburg dem Reigen einen weiteren Markstein hinzu. Wobei die Salzburger Kuratorin Erika Oehring den Gegenstand breitgefächert angeht. Anhand von über 100 Exponaten von rund 60 Kunstschaffenden aus der reichhaltigen eigenen wie auch internationalen Sammlungen zieht Oehring einen Bogen, der rund 600 Jahrhunderte umfasst. Anhand von Gemälden, Grafiken, Videos, Installationen und frühen Plakaten wird der sich im Laufe der Zeit veränderten Wahrnehmung des Alpenraums nachgespürt. Das Spektrum reicht von der Darstellung unberührter, heroischer Alpenwelten über das «wildromantische» Gebirge in der Biedermeierlandschaft bis hin zur vielfältigen Auseinandersetzung mit dem Alpinen in der zeitgenössischen Kunst.
Dramaturgisch gesehen bilden ‹Drei weisse Berge› des Münchner Bildhauers und Objektkünstlers Stephan Huber eine Art «Prolog» zur Ausstellung. Huber hat drei Gipfel aus den Dolomiten nachgebildet. Allerdings nicht detailgetreu. In der Relation zur Wirklichkeit wirken sie im Modell grössenverzerrt. Auch den «Epilog» setzt Huber: Gegen Ende der Ausstellung stösst man auf die geschlossene Tür seiner Installation ‹Shit happens 2›. Öffnet man diese Tür, überfällt einen der Soundcluster einer «hereinstürzenden» Lawine.
Dazwischen wird in zehn Räumen das Bild des Berges als Projektionsfläche für Idyllen und Sehnsüchte, der Alpenraum als aus dem Gleichgewicht geratener Angriffsraum für Technik und Architektur und die Vereinnahmung der Berglandschaft durch den Massentourismus nachgezeichnet. Beklemmend etwa die C-Prints des Schweizers Jules Spinatsch aus seiner Serie ‹Snow Management›, in denen Pistenraupen die Berghänge des Nachts in gespenstisches Licht tauchen, zur Eventbühne machen und selber wie tanzende Ungeheuer erscheinen.
Der Tiroler Künstler Gregor Sailer wiederum unterläuft das Tourismusmarketing, indem er Gletscherparadiese im Sommer ablichtet. Zu einem Zeitpunkt, da der katastrophale Zustand des ewigen Eises nicht von einer trügerischen Pulverschneeschicht kaschiert ist. Die ins Bild gesetzten riesigen Vliesabdeckungen, die die weitere Eisschmelze hinauszögern sollen, wirken wie eine monumentale Installation - oder wie eine apokalyptische Prognose.

Bis: 06.11.2011



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Ausgabe 11  2011
Ausstellungen Alpen [15.07.11-06.11.11]
Institutionen Residenzgalerie [Salzburg/Österreich]
Autor/in Karlheinz Pichler
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