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11.2011




Zug : Carlfriedrich Claus


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Carlfriedrich Claus im Lautprozess-Raum 1995 © ProLitteris. Foto: Laszlo Tóth
rechts: Carlfriedrich Claus · Todesblatt. In Memoriam. H.C, 1969, Kunstsammlung Chemnitz, © ProLitteris. Foto: Lászlo Tóth


In der Schweiz dürfte der aus Chemnitz stammende Carlfriedrich Claus (1930-1998) wohl nur wenigen bekannt sein. Sein zeichnerisches und schriftstellerisches Werk mit hohem, philosophischem Anspruch, das auch Klang- und Sprachexperimente einbezog, entstand ohne Blick auf grosse Publikumsresonanz im Abseits kleinstädtischer DDR-Verhältnisse, wenn auch nicht in totaler Isolation. Der vielseitig belesene Claus pflegte rege Beziehungen mit Gleich- oder Ähnlichgesinnten, so zu Raoul Hausmann, Hans Arp oder Ernst Bloch. Er las Meister Eckhart, Jakob Böhme, Paracelsus, Rudolf Steiner, aber auch Engels, Marx und Lenin. Er war ein Anhänger komplexer kommunistischer Gesellschafts­utopien, was ihm in der DDR jedoch vor allem Skepsis und Ablehnung eintrug. Preise und Akademiemitgliedschaften erreichten ihn erst nach der Wende.
Carlfriedrich Claus ist erstmals in der Schweiz eine Ausstellung gewidmet. Diese verleiht Einblick in ein höchst komplexes, doch bei allen Verästelungen in verschiedene Medien hinein zweifellos kohärentes Lebenswerk. Vor allem bediente sich Claus der Zeichnung, um seinen Vorstellungen Ausdruck zu geben. Es sind oft beidseitig bearbeitete transparente Blätter zwischen Zeichnung, Kritzelei und Schrift ohne visuell lesbare Bilder und ohne entzifferbaren Text. Sie lassen Claus' Suche nach einem universalen Gesellschafts- und Weltbild erahnen, geben aber nur wenig Aufschluss über konkrete Ergebnisse dieses Suchens. So führen denn die Intensität des gestalterischen Experimentierens und die räumliche Dimension der mit mehrfachen Überlagerungen operierenden Zeichnungen - die Rede ist von «Denklandschaften» - die Betrachtenden in die Freiheit ihrer eigenen Gedankenwelt. Der interaktive ‹Lautprozess-Raum›, 1995, mit aus 14 Lautsprechern tönenden Sprach- und anderen Mundgeräuschen wirkt wie ein Zurückkommen auf dadaistische Sprachexperimente. Zu sehen sind überdies fotografische Versuche aus den Fünfzigerjahren.
Ergänzend zur der von Matthias Flügge betreuten und zusammen mit der Akademie der Künste Berlin realisierten Ausstellung zeigt das Haus zeichnerische Werke aus der eigenen Sammlung sowie Leihgaben aus Privatbesitz, u.a. von Josef Herzog, Roman Opalka, Dieter Roth, Philippe Schibig, Mark Tobey, Antoni Tàpies.

Bis: 20.11.2011



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Ausgabe 11  2011
Ausstellungen Carlfriedrich Claus [17.09.11-20.11.11]
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Carlfriedrich Claus
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