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11.2011




Zürich : Wolfram Ullrich


von: Ralf Christofori

  
Wolfram Ullrich · Ausstellungsansicht Galerie Schlégl, 2011. Foto: Sinje Dillenkofer


Im Jahr 1992 zeigte der Stuttgarter Künstler Wolfram Ullrich zum ersten Mal seine Arbeiten in der Zürcher Galerie Schlégl. Nun bestreitet er eine Abschiedsausstellung, genauer gesagt: die letzte Ausstellung der Galerie. Nach 43 Jahren wird Nicole Schlégl sich von der aktiven Galeriearbeit zurückziehen, aber weiterhin beratend tätig sein. Im Gespräch sagt die Galeristin ohne Wehmut: «Man muss eben gehen, wenn es am schönsten ist.»
Schön ist die Ausstellung von Wolfram Ullrich allemal. Unter dem Titel ‹Responding Perspectives› zeigt der Künstler aktuelle Arbeiten, allesamt in diesem Jahr entstanden und von bestechender Klarheit. Man möchte diese Werke als Raumplastiken bezeichnen, und doch sind es streng genommen Wandobjekte. Man möchte die Wandobjekte als Bilder begreifen, aber dazu geben sie nur bedingt Anlass. Tatsächlich handelt es sich um zumeist mehrteilige Wandtableaux aus gebürstetem Stahl, an den Seiten roh belassen, an der Oberfläche mit monochromen Farben in Lack und Acryl überzogen. Ob Hellblau oder Violett, Indigo oder Mangan - die matt lasierten Farbflächen verleihen dem Auge weder Halt, noch lassen sie Reflexionen zu. Formal legt Ullrich in diesen Bildern ausgeklügelte perspektivische Ungereimtheiten an und spitzt sie millimetergenau zu.
Die dreiteilige Arbeit ‹Ares› etwa kippt, wird weich und beugt sich über schmale Schattenfugen in einen imaginären Raum hinter oder vor der Wand, während die drei aneinandergereihten Trapeze in ‹Ver› geradezu lotrecht aus der Wand zu ragen scheinen. Auch untereinander korrespondieren die Arbeiten, und sie reagieren auf die jeweilige Situation in den Räumen der Galerie Schlégl. So windet sich die hellblaue Arbeit ‹Nor› auf einer glatten weissen Wand perspektivisch in die Wand hinein, wohingegen die orangefarbene Arbeit ‹Pyr› auf einer getünchten rustizierten Wand deutlich nach vorn in den Raum strebt.
In dieser Bewegung liegen Sinn und Sinnlichkeit des Ausstellungstitels ‹Responding Perspectives› begründet. Denn Ullrichs jüngste Werke haben genau genommen zwei perspektivische Fluchtpunkte: Der eine ist in den Arbeiten selbst angelegt, der andere liegt im Betrachter. In dessen Anschauung entfalten sie erst ihre ganze Wirkung. Die formale Strenge, mit welcher der Künstler dabei zu Werke geht, ist nach wie vor erstaunlich. Die Dynamik, die daraus resultiert, ist unfassbar.

Bis: 19.11.2011



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Ausgabe 11  2011
Ausstellungen Conrad Meier, Wolfram Ullrich [17.09.11-19.11.11]
Institutionen Galerie Schlégl [Zürich/Schweiz]
Autor/in Ralf Christofori
Künstler/in Wolfram Ulrich
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